Abschied

Abschied
Quelle: Life of Pix
Liebste Fab

Bereits als Kind müssen wir lernen, dass dies ein grosser Teil unseres Lebens ist. Manche müssen das schon ganz früh, andere erst später so richtig erfahren. Doch eigentlich schlummert dieses (Angst-) Gefühl schon von Geburt an in uns: das Abschiednehmen.

Wenn ich so darüber nachdenke, dann verabschieden wir uns sehr oft von Dingen, Umständen, Menschen usw. im Leben. Es macht uns ja auch bewusst, dass (fast) alles endlich ist und nur dadurch können wir uns weiterentwickeln und verändern. Einige Abschiede sind einprägsamer, als andere. Einige schmerzen und gehen tiefer, als man dies vielleicht gerne hätte. Aber eines haben sie alle gemeinsam: es geht dabei auch ums Loslassen können. Und um Akzeptanz, dass das Leben nun mal nicht einfach immer dasselbe bleiben kann.

Die einzige Konstante im Leben ist die Veränderung.

Nein, ich will hier keinen Seelenstriptease hinlegen und ich werde auch nicht esoterisch. Wer mich gut kennt, weiss, dass ich zwar emotional bin, aber doch ziemlich rational denke. Ich habe mir lange überlegt, ob ich auf unserem Blogazine darüber schreiben möchte und mich dazu entschlossen, weil ich denke, dass ich mit meiner Erfahrung nicht alleine bin.

4 Goodbyes

#1: Mit meinen 30 Lenzen musste ich mich bisher doch schon von so einigen Menschen verabschieden. Zum einen wäre dies mein geliebter Grossvater Otto, als ich elf Jahre alt war. Er hat mir das Fahrradfahren beigebracht und ist in meinen Erinnerungen mein Fels in der Brandung, der stets mit mir gelacht hat. Er hat mich vor allem beschützt, und wenn ich die Erinnerungen an ihn abrufe, dann spüre ich bis heute, wie viel ich ihm bedeutet habe.

#2: Zum anderen wären da meine beiden Grossmütter, die im selben Jahr verstorben sind. Zunächst meine Oma Tulia in Kolumbien. Sie hatte zuletzt Alzheimer und konnte sich nicht mehr an mich erinnern. Ich erinnere mich aber gut an die vielen Besuche, die wir gemacht haben und auch hier verspüre ich eine grosse Verbundenheit. Zu meiner Grossmutter Erna hatte ich allerdings das innigere Verhältnis und das Abschiednehmen von ihr, war sicherlich eine intensivere Erfahrung. Schliesslich war ich beim letzten Atemzug zugegen und hielt ihre Hand, bis sie loslassen konnte. Denn so ist es eben. Wenn zwei Menschen sich lieben, dann ist es stets ein gegenseitiges Loslassen. Kein leichtes Unterfangen für diejenigen, die zurückbleiben. Und ich weiss, dass es auch für sie kein Leichtes war. Sie war stets der Meinung für mich da sein zu müssen. Eine unglaublich starke Frau mit unheimlich viel Kraft, für die ich sie mein Leben lang bewundern werde. Allerdings gibt es Abschiede, die man wohl so nie ganz verkraftet. Einen solchen hatte meine Grossmutter nur einige Monate vor ihrem eigenen Tod verkraften müssen. Die Natur hat es nicht so vorgesehen, so denken wir zumindest, so ist nicht der Lauf des Lebens.

#3: Denn: Mein Vater verstarb an einem Montag. Um genau zu sein am 20. April 2009. Ich habe einen Kalender auf meinem Tisch, der stets dieses Datum anzeigt. Nicht, weil ich mich selbst damit quälen möchte. Vielmehr ist es ein Fixpunkt, der mich daran erinnert, dass es ein Leben davor und ein Leben danach gibt. Denn ja, das eigene Leben ist nie mehr dasselbe, wenn sich ein so geliebter Mensch davonstiehlt. Und der Spruch «Zeit heilt alle Wunden» ist übrigens vollkommener Schwachsinn. Nein das tut es nicht. Es bleiben Narben zurück und das ist gut so.

They say that time’s supposed to heal ya. But I ain’t done much healing.

Aber ja, so rational es klingt, das Leben geht weiter. Das hätte und hat sich mein Vater auf für mich gewünscht. Nur ist es halt anders, ohne dabei wertend sein zu wollen. Ein jeder muss eine solche Erfahrung anders verarbeiten und damit leben. Ich für meinen Teil, habe nie das Gefühl alleine zu sein. Meine Erinnerungen sind das, was geblieben ist. Und dadurch ist er stets bei mir. Natürlich ist es komisch daran zu denken, dass ich ihn nun schon über 6.5 Jahre nicht mehr gesehen, gehört, gerochen und gespürt habe. Es schmerzt, ich weine, ich lache, ich vermisse ihn. Aber weg ist er deswegen noch lange nicht.

#4: Abschiednehmen ist aber nicht immer endlich. Ich habe mich vor 2 Jahren von einem ganz wichtigen Menschen getrennt und erfahren müssen, dass dieses Gefühl dem Gefühl einem Menschen für immer Lebewohl sagen zu müssen, ebenfalls nahekommen kann. Wenn ich Loslassen beschreiben müsste, dann fände ich den Ausdruck «Boden unter den Füssen verlieren» ziemlich passend. Unvergesslich sind dann die epischen Momente, die vor den Augen durchrasseln, wie in einem Daumenkino: Der Blick an der Party, an der wir wussten, dass wir zusammen sein wollen. Das erste Händchenhalten. Der erste Kuss. Der erste Sex. Die ersten gemeinsamen Urlaube. Das erste Zusammenziehen … Der erste Herzschmerz. Elf wichtige Jahre und für immer dankbar dafür.

Unser letzter Kuss, unser letzter Blick, unsere letzten Worte – unser letztes «uns». Dieses muss seinen Weg neu finden. So wie ich für mich selbst auch.

Meine Gedanken von Bern zu dir nach Zürich mit Herzgruss,
Eve
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