Alles in den Schoss

Schoss
Quelle: ©Andrea Ebener
Liebste Fab,

Manchen Menschen scheint einfach alles zu gelingen. Erfolgreiches Studium, dann wahnsinnig toller Job, ein noch wahnsinnigeres Salär, Beziehung seit X-Jahren, Attikawohnung mit Terrasse und Blick aufs Wasser, schickes Auto, mehrmals Ferien im Jahr, gefolgt von Kind und Kegel, dabei immer noch jugendlich frisch aussehend und immer noch steil auf der Karriereleiter. Läuft also. So glaubst du. Wie es aber hinter den Kulissen wirklich zu und hergeht, wissen nur die Hauptakteure selbst. In der Theorie weisst du das selbst und doch lässt du dich blenden von so viel Glamour und Glitzer. Instagram und Snapchat-Geschichten haben dieses Phänomen verstärkt. Wir sehen tagtäglich zu, wie manch einer ein Jetset-Leben führt, in 5-Sterne-Hotels schläft und dabei immer gut aussieht. Und dann beginnst du an dir selbst zu zweifeln sowie dir Fragen zu stellen. Zu guter Letzt folgt die fatalste Frage aller Fragen: Wie schafft der/die das und ich nicht?

Na klar, ich könnte jetzt mit der Theorie auffahren, die mir Marc bereits vor langer Zeit zugetragen hatte. Er und seine Freundin L. sind sich sicher, es gibt Menschen, denen fällt einfach alles in den Schoss. Ohne Punkt und Komma aber natürlich mit einem Hashtag (und einer Portion Ironie) versehen.

Is‘ einfach so. #allesindenschoss

Gerade letzte Woche knallte ich jedoch auf den Boden der Tatsachen und musste erst einmal schlucken. Eines vorweg: Das, was folgte, war kein Gefühl von Genugtuung, im Gegenteil, es war ein Aufrütteln und das im positiven Sinne. Und ein «Hut ab» vor so viel Ehrlichkeit und Mut sich der Öffentlichkeit zu stellen, obschon diese zwei tolle Ladies niemandem etwas schuldig sind und damit auch indirekt beweisen, dass es harte Arbeit ist, manches leicht wirken zu lassen. Zum einen hätten wir da Jessie. Wie du ja weiss, hat sie uns auf indirekte Weise zueinander geführt. Und bis heute ist ihr Blog «Journelles» eines der wenigen Online Medien, die wir noch immer fleissig verfolgen und lesen. Mit ihrem Post «Meine neue Gelassenheit in der Schwangerschaft. Mein Beitrag zur Difference Maker Kampagne von Clinique.» hat sie einen grossen Einblick in ihre Privatsphäre erlaubt. Und uns beide damit überrascht.

Bei mir läuft selbstverständlich nicht alles rund oder aalglatt, auch wenn man nach außen strahlt.

In der Tat, obschon ich genau weiss und seit Dito mehr denn je erkenne, wie viel Arbeit Jessie in den letzten Jahren geleistet hat und tagtäglich leistet, so hatten wir beide doch immer das Gefühl, dass dieser Alleskönnerin aber auch wirklich alles auf Anhieb gelingt, was sie sich vornimmt. Ein echter Girlboss eben und ein tolles Vorbild für all die jungen Frauen da draussen, die was reissen möchten. Und gerade sie widerlegt die «alles-in-den-Schoss-These», denn es ist eben Knochenarbeit und genau die kann sich auf andere Bereiche im Leben auswirken. Es will nicht immer alles auf Anhieb klappen, und doch kann es das – irgendwann. Es braucht halt auch Geduld, eine Portion Glück und Zuversicht.

Zum anderen überrascht gerade eine weitere erfolgreiche deutsche Modebloggerin mit ihrem «Wochenrückblick». Masha Sedgwick hat ein Tempo drauf, wie keine Zweite. Seit 2010 bloggt sie 7-8 Mal pro Woche und gehört damit zur Top-Liga der deutschen Blogosphäre. Wow und alle Achtung. Doch auch sie muss erkennen, dass man manchmal sich selbst zuliebe vom Gaspedal runter muss und das tun sollte, was man möchte und nicht das, wovon man ausgeht, dass alle anderen es von einen erwarten.

Ich fühlte mich ein bisschen so, als würde man aus einem ausgepressten Schwamm versuchen ein paar Tropfen rauszuquetschen, aber er ist schon leer.

Auf sich selbst hören. Das tun, wonach einem ist. Den Weg zu gehen, der richtig erscheint. Ja, es ist nicht alles Gold, was glänzt. Auch ich vergesse das oftmals. Dabei kenne ich das Phänomen. Du sagst es mir auch des Öfteren, wenn wir uns sehen oder miteinander schreiben. Mir gelingt es Beruf mit Leidenschaft zu verbinden, für meine Freunde und Familie da zu sein, Hobbys nachzugehen und dabei alles leicht wirken zu lassen, wenn ich mal wieder erst um 22 Uhr mit Schreiben loslege (ich bin halt eine kleine Nachteule). Und selbst? Ja selbst ist man sich manchmal gar nicht im Klaren, was man eigentlich alles erreicht hat und wie man es getan hat. Es könnte doch immer besser gehen. Dabei geht es einem doch viel besser, als es sich manchmal anfühlt. Ja, ich kann mich glücklich schätzen, habe meine Jobs bisher stets durch (guten) Zufall ergattert, kann auf viele tolle Erlebnisse zurückblicken und besitze all die Bequemlichkeiten im Leben, die vielen leider verwehrt bleiben. Doch all diese Dinge sind auch mit harter Arbeit verbunden. Ich habe mein Studium erkämpft, sei das durch Leistung und durch Nebenjobs, gebe im Job mehr als nur 100%, opfere viel Ziel und Hingabe in der Freizeit für unser Baby Dito, welches unendlich viel Spass macht, und nehme mir Zeit für Freunde und Familie, weil sie die kostbarsten «Güter» sind, die in meinem Leben Platz haben sollen.

Und die Moral von der Geschicht?

Für viele scheint mein Leben (vielleicht) leicht und einfach zu wirken. Andere hingegen raten mir, den Fuss vom Gaspedal zu nehmen. Es ist stets eine Ansichtssache. Ich für meinen Teil sehe es so: Harte Arbeit belohnt dich irgendwann. Hauptsache du selbst gehst dabei nicht verloren – denn irgendwann fällt das Glück in den Schoss und dann möchtest du es doch selbst merken und spüren können, oder?!

Herzgruss von Bern nach Zürich,
Eve


Bildausschnitt: Andrea Ebener SELF STUDIES
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2 Comments

  • Ich finde vergleichen, sich messen an anderen immer schwierig. Man kann eigentlich nur verlieren, irgendwo ist das Gras immer grüner, wirkt alles viel leichter. Aber wie es am Ende drinnen aussieht, weiß man meist nicht.

    Ich habe in diesem Jahr gelernt, öfter mal inne zu halten und mir zu sagen: Eigentlich ziemlich geil, wie alles läuft. Glücklich zu sein, über mein Glück, zufrieden, mit all dem Reichtum, den ich habe. Demütig zu sein, gegenüber dem Glück von Gesundheit und Frieden.
    Und ja, oberflächlich betrachtet, sieht es auch bei mir so aus, als wäre mir ziemlich viel in Schoss gefallen, aber eigentlich habe ich auch viel gegeben. 🙂

    Ich mag die Rubrik sehr sehr gerne!

    • Danke Antonia, freut mich gefällt dir die Rubrik. 🙂 Es ist so wie du sagst. Alles ist eben auch ein Prozess und ich denke einfach gerade sehr junge Menschen lassen sich dann schnell beeinflussen. Ich beobachte zunehmend, dass junge Mädchen das Gefühl haben dem Instagram-Wahnsinn nachzustreben und dabei ganz vergessen, dass sie es doch schon sehr gut haben. Wir verlieren manchmal den Draht zu uns selbst und ich seh das wie du, inne halten hilft dabei sehr. Und andere nicht verurteilen, denn oftmals sieht es hinter den Kulissen doch anders aus, als es scheint. Liebste Grüsse

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