Auszeit in Vals: Brücke 49

Brücke 49

Pause. Durchatmen. Entspannen. Dies gelingt mir leider zu Hause nicht so gut, wie ich es gern hätte. Man wird einfach zu oft daran erinnert, was man noch alles so erledigen sollte. Also heisst es für mich: ab und an meine eigenen vier Wände zu verlassen und das Unbekannte aufzusuchen. Nur so kann ich Energie tanken und komme zu neuen Erkenntnissen und Inspirationen. Und genau dies war unser Plan für unsere kleine Dito-Retraite im November: Einen Schritt zurück machen – entschleunigen nennt man das ja heutzutage – damit wir auch wieder mit klarer Sicht nach vorne blicken können.

Der perfekte Ort dafür war schnell gefunden, schliesslich hatte ich dieses Schmuckstück schon vor längerer Zeit in einem Interior-Magazin entdeckt, so wie auch meine liebe Freundin N., die schon im Sommer dort war und mir bestätigte, dass sich dieses Wochenende wirklich lohnt. Auf ins Graubünden – auf nach Vals!

Brücke 49: das Haus auf der linken Seite der Valser Rheinbrücke

Mit dem Postauto bis zur Endstation Vals und schon sieht man die Dorfbrücke, die genau vor dem hübschen Haus mit der Nummer 49 liegt. Der Name macht Sinn und so betreten wir etwas aufgeregt, das «Brücke 49» Haus, welches schon von aussen begeistert und von innen unsere Herzen höher schlagen lässt. Herzlich werden wir von Edith begrüsst, und unkompliziert gleich zu unserem gemütlichen Zimmer gebracht. Das Haus ist französisch gebaut, so wie wir später erfahren, eher ungewöhnlich für die Bauzeit um 1902 und diese Gegend, aber äusserst praktisch für ein Bed & Breakfast. Die Treppe ist das Zentrum des Hauses, rund herum auf zwei Stockwerken befinden sich die vier Schlafzimmer, zwei WCs und Badezimmer, die unter den Gästen geteilt werden.

Brücke 49 Badezimmer

Kurz darauf betreten wir den Gemeinschaftsraum und kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Küche, Esszimmer und Wohnzimmer sind miteinander verbunden und so toll eingerichtet, dass man sich sofort wohl fühlt und alles an Inspiration aufsaugen möchte.

Willkommen in Ihrem Zuhause in Vals. Geniessen Sie es, nehmen Sie sich Zeit und behandeln Sie das Haus als wäre es Ihr eigenes.

Wir beschliessen es uns für den Rest des Tages gemütlich zu machen und gehen auf Erkundungstour. Wir treffen auf eine Bibliothek, eine Outdoor-Feuerstelle, eine Yoga-Sonnenterrasse und eine hauseigene Gin-Bar. Ja, langweilig wird uns bestimmt nicht! Wir beginnen alle kleinen Details wie zwei verrückt gewordene Bloggerinnen mit der Kamera festzuhalten und widmen uns nach einer schweigenden Stunde unserer Kanne Tee und unserer Offlinezeit mit zukunftsweisenden Gesprächen und reichlich Lesestoff.

Der Traum vom Bed & Breakfast

Nach einer erholsamen Nacht, in der wir komatös gut geschlafen haben, begeben wir uns hungrig ins rustikale Esszimmer. Die anderen Gäste sitzen bereits am langen Holztisch und lassen es sich schmecken. Wir lernen den Hausherrn Thomas kennen, der uns köstliches Granola, frischen Saft, Eierspeisen, regionale Spezialitäten und leckeres selbst gebackenes Brot anbietet. Richtig gelesen: Thomas und seine Frau Ruth stehen jeden Morgen in der Früh auf, backen Brot (und natürlich auch dänisches Knäckebrot) und bewirtschaften die Gäste selbst. Da kann sich so manches 5-Sterne-Hotel eine Scheibe von abschneiden. Hach, ich komme aus dem Schwärmen gar nicht mehr raus… und erst noch der Kaffee!

Das Tolle an so einem gemeinschaftlichen Frühstück? Man kommt mit den anderen Gästen und mit dem Gastgeber ins Plaudern. Und so erfahren wir von Thomas, wie das Bed & Breakfast im 2011 eröffnet wurde sowie warum und auf welchem Weg der Däne und seine Frau Ruth in Vals gelandet sind. Ganz einfach: sie hatten sich verliebt in die Schönheit Vals‘ und waren mit Sack und Pack von Dänemark ins schöne Graubünden ausgewandert. Thomas verkaufte seine erfolgreiche Werbeagentur, begann Deutsch zu lernen und auf einem Bauernhof und am Skilift auszuhelfen. Ruth hingegen erzählt uns am nächsten Tag, dass sie nebenher noch immer als Designerin tätig ist und regelmässig ins Ausland pendelt. Zwei Machertypen, die uns durch ihre Art und die Mischung aus dänischem Stil- und schweizerischem Qualitätsbewusstsein beeindruckt lassen.

Als die beiden im 2010 die Gelegenheit bekamen das Generationenhaus der Familie Furger zu kaufen, wurde nicht lange gefackelt. Schliesslich träumte Ruth schon länger von einem B&B. Ein Jahr lang schufteten sie mit drei Helfern für den Umbau, bis schliesslich zur Eröffnung ganz Vals vor der Türe stand, um das fertige Haus zu begutachten.

Jedes Bett wurde getestet und jede Ecke kritisch beäugt. Ein Eröffnungsfest für das ganze Dorf.

Ihre Vision und die harte Arbeit gaben ihnen recht: Im ersten Jahr waren sie komplett ausgebucht und auch heute noch, sollte man frühzeitig reservieren, um hier übernachten zu können. Gäste aus aller Welt kommen hierher, manche mieten auch gleich das ganze Haus, wie zum Beispiel einst diese berühmte deutsche Band.

Thomas und Ruth sind für mich das Paradebeispiel dafür, dass es sich harte Arbeit auszahlt und es sich lohnt, seinen Träumen nachzugehen. Manchmal muss man eben alles auf eine Karte setzen, wenn man eine klare Vision und Idee vor Augen hat.

Thomas

Valser Therme, Wanderparadies und moshi moshi

In Vals lässt es sich aber nicht nur im B&B Brücke 49 entspannen. Die Valser Therme ist dank dem Architekten Peter Zumthor rund um den Globus bekannt und ja, der Besuch lohnt sich – trotz dem hohen Eintrittspreis. Leider dürfen wir drinnen nicht fotografieren, sind aber letztendlich froh darum. Denn so können wir in aller Ruhe die Architektur, das Wasser und die Ruhe geniessen, während der erste Schnee fällt.

Auf dem Nachhauseweg machen wir Halt in Ruth’s Laden «moshi moshi mind». Passend zu unserer «Entschleunigungs-Kur» finden wir hier sogenannte «Slow-Fashion»: Yoga-inspirierte Kleidungsstücke und Pflegeprodukte. Die hochwertigen Materialien mit Kuschelfaktor überzeugen – natürlich mussten wir gleich etwas eintüten.

moshi moshi mind

Vals bietet aber auch ganz tolle Wanderrouten, wird uns gesagt. Wir glauben es sofort, schliesslich können wir uns trotz Schlechtwetter gar nicht sattsehen an der kleinen Schönheit hier oben. Und beschliessen sogleich im Sommer zurückzukehren, die Wanderschuhe einzupacken und uns nochmals eine erholsame Auszeit bei Ruth und Thomas zu gönnen.

We’ll be back!

More from schneeve

Ein Hauch von Nichts: Nude Lippenstifte

Entweder Augen oder Lippen, so lautet das Einmaleins der Make-up-Devise. Ich bin...
Read More

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.