Auszeit

Auszeit
Liebste Fab,

Ende. Aus. Finito. Hatte ich doch noch erst kürzlich über fehlende Kreativität geschrieben, so sitze ich hier nach längerer Abstinenz und gebe mich wieder dem hin, was mich glücklich macht. Nämlich unser Baby Dito zu pflegen und hegen. Schluss mit Kreativpause! Jetzt geht’s wieder los, so dachte ich vor ein paar Tagen und dann? Die liebe (fehlende) Zeit macht mir einen Strich durch die Rechnung. Der Tag hat nun einmal nicht mehr als 24 Stunden und das hier soll keine mich-beklagende-Abhandlung werden. Sondern vielmehr der Appell an mich selbst, zu akzeptieren, dass es nicht für alles reicht, was man sich vornimmt und, dass kleine Auszeiten doch eigentlich ganz, was Schönes sind, die erlaubt sein sollten. Denn leider bestrafe ich mich ständig innerlich, wenn es nicht für alles reicht, was ich mir eigentlich vorgenommen hatte. Und das soll sich jetzt ändern (Achtung: Vorsatzalarm!).

Eine kleine Anekdote am Rande: Gerade erst vor Kurzem hat mir meine Mama erzählt, dass eine Freundin ein Sabbatical einlegen wird. Sie kassiert für diese Aussage allerdings einige sarkastische Sprüche und Kopfschütteln. Denn sie ist keine Angestellte, sondern „nur“ Mutter und Hausfrau. Es folgen Fragen wie: «Und wer bügelt dann die Hemden deines Mannes, der täglich arbeitet? Und wer kümmert sich dann um den Haushalt? Und darf man das Sabbatical nennen, wenn man doch eigentlich nicht arbeitet?». Sie hält für alle Fragen eine Antwort bereit. Zunächst werden sie eine Haushaltshilfe nach Hause holen, der Mann kann sich bitteschön ja auch selbst mal ein Teller Spaghetti wärmen, und wie wir eigentlich wissen sollten, ist der Beruf «Hausfrau und Mutter» sehr wohl als Arbeit anzuschauen. Weshalb sollte sie es dann nicht so nennen?

Wir stellen uns selbst und anderen gegenüber stets die Frage, ob eine Auszeit von Job, Verpflichtungen und sonstigen Freizeitaktivitäten gerechtfertigt ist. Ob wir sie verdient haben und ob wir uns dies leisten können. Natürlich ist eine Auszeit auch eine Form von Luxus, nicht jeder kann behaupten ein Sabbatical einlegen zu können, so zum Beispiel finanziell gesehen. Doch wieso geben wir uns der Prokrastination hin und haben dann offensichtlich unsere Mühe, wenn es um eine wohlverdiente Pause geht? Ist das schon Teil dieser Prokrastinations-Bewegung oder schlichtweg eine Verschnaufpause, die einfach nur gut tut?

Die Antwort darauf kann nur ich mir selbst geben. Ich gehöre zu den Typ Menschen «ganz oder gar nicht». Wenn ich mir eine Auszeit gönne, dann soll diese minutiös geplant sein, sodass ich dann aber auch wirklich an nichts anderes denken oder machen muss. Und genau diese Denkweise hindert mich daran, mir kleine Auszeiten im Alltag zu gönnen. Sei es ein Power-Nap nach der Arbeit oder die kreative Schaffenspause. Es macht mich nervös in einen ungewissen Tag zu starten, obschon ich mir nichts sehnlicher wünsche, als mal wieder einen Tag zu verbringen, an dem ich Beschäftigung suchen muss. Weil ich es kann. Ich packe meine Agenda derart voll, dass ich am Ende selbst verloren gehe.

Auszeit bedeutet nämlich auch, dass man sich mit dem eigenen Selbst auseinandersetzen und beschäftigen muss. Der inneren Stimme zuzuhören und dabei kommen halt auch nicht immer nur die vorteilhaften Gedanken zum Vorschein. Denn plötzlich erkennt man, was man möchte und was nicht mehr. Oder man erkennt, dass man gar nicht weiss, was man möchte. Auch wahr. Einen kleinen Verweis an dieser Stelle auf den wunderbaren Text von Nike Jane und wiederum ihrem Verweis auf das Zitat von Milan Kundera, welches mich die letzten Tage begleitet hat:

Er haderte mit sich, bis er sich schliesslich sagte, es sei eigentlich ganz normal, dass er nicht wisse, was er wolle. Man kann nie wissen, was man wollen soll, weil man nur ein Leben hat, das man weder mit früheren Leben vergleichen noch in späteren korrigieren kann.

Ich sehe die Auszeit daher als positives Übel an. Es ist nicht die leichteste Aufgabe sich einer Aufgabe zu entledigen, sich dabei mit sich selbst konfrontiert zu sehen und dabei auch noch am besten die Zeit zu vergessen. Denn eine Auszeit bedeutet eben, die Zeit auf Aus zu stellen. Allerdings funktioniert das überhaupt, wenn die Zeit bekanntlich nie still steht? Ich geb dir Bescheid, sobald ich es herausgefunden habe. Übung macht den Meister, oder?!

Herzgruss von Bern nach Zürich,
Eve

Übrigens: Wir haben der Auszeit ein ganzes Magazin gewidmet. Ja richtig gelesen, ein kleines feines eMagazin. Denn zum Launch der Magazin-App «Wondermags» wurden wir von den lieben Mädels von amazed angefragt, ob wir nicht Lust hätten hier mitzumachen. Und ob! Du findest unsere erste Ausgabe jetzt online, sozusagen mit einem Best-of-Dito-zusammengefasst und ausgewählt von uns zum besagten Thema «Time-Out». Viel Freude beim Lesen!

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