Bin ich Feministin?

Feministin
Quelle: myfantabulousworld
Liebe Eve

Ich bin 29 Jahre alt, darf wählen, habe eine gute Ausbildung abschliessen können, wohne alleine, fühle mich frei, gehe einer erfüllenden Arbeit und einem tollen Hobby nach. Kurzum: Ich bin eine selbstständige, junge Frau und stehe mit beiden Beinen mitten im Leben.

An meinem Arbeitsplatz fühle ich mich zwischen meinen männlichen und weiblichen Arbeitskollegen glücklicherweise wohl und gleichberechtigt. Klar, ab und an muss auch ich mir einen frechen Spruch – auch mal unter der Gürtellinie – anhören. Aber da kontere ich gekonnt und finde, dass die Prise Humor dazugehört. Auf beruflicher Ebene werde ich stets ernst genommen und auch sonst muss ich mir morgens keine Gedanken machen, ob mein Ausschnitt zu tief oder der Rock zu kurz sein könnte. Ich bin, wie ich bin, und muss mich nicht verstellen.

Mein Glück macht mich allerdings träge. Ja sogar uninspiriert. Und ich frage mich, warum ich meine Stimme nicht für andere erhebe? Denn nicht jede Frau besitzt mein Glück. Viele müssen sich täglich sexistische Äusserungen, wie die folgenden in diesem Video anhören.

Feminismus ist mehr als Alice Schwarzer

Dass ich heute als Frau so frei bin, wählen zu dürfen, zu studieren, Karriere zu machen, usw. – all das verdanken wir starken Frauenrechtlerinnen. Gekämpft haben sie für die Gleichberechtigung, die Menschenwürde und eben für die Selbstbestimmung der Frau. Alice Schwarzer hat in den 70er und 80er Jahren eine herausragende Rolle in der Frauenbewegung gespielt. Ich bewundere ihren Kampfgeist, ihren Verstand und ihre direkte Art. Ich kann mich aber nicht mit ihr identifizieren. Wenn Alice Schwarzer eine Feministin ist, kann ich mich dann trotzdem als solche bezeichnen?

But my recent research has shown me that feminism has become an unpopular word. Women are choosing not to identify as feminists.

In der heutigen Zeit beschäftigen uns Frauen neue Probleme, auf die es auch neue Lösungen braucht: Feminismus ist vielschichtig geworden. Es gilt nebst der Lohnanpassung auch faire Partnerbeziehungen und das Jonglieren von Beruf- und Familie zu lösen. Wenn wir den gleichen Lohn erhalten, dann müssen wir auch über ein identisches Rentenalter und mehr Elternzeit für Männer diskutieren.

Und vor allem müssen wir die Gleichberechtigung für alle stärken. Gleichberechtigung hört nicht bei uns Frauen auf, sondern muss gleichermassen für Homosexuelle und Transsexuelle gelten. All das ist nicht im Kampf zwischen Mann und Frau zu lösen, sondern als Kollektiv. Als Team.

I have realized that fighting for women’s rights has too often become synonymous with man-hating. If there is one thing I know for certain, it is that this has to stop.

Feministin 2.0

Es gibt heute viele starke aber ganz unterschiedliche Frauen, die sich für Gleichberechtigung einsetzen. Sei das Lena Dunham, die sich gegen den Schönheitswahnsinn und den Konkurrenzkampf unter uns Frauen wehrt. Oder Emma Watson, die mit ihrer tollen Ansprache für ihre Kampagne «He for She» viele meiner Gedanken genau getroffen hat.

We should all be feminists.

Meint Chimamanda Ngozi Adichie und inspiriert damit nicht nur mich, sondern auch starke Showbiz-Frauen wie Beyoncé. So nahm die Sängerin Teile aus der TED-Ansprache von Chimamanda und integrierte sie in ihren Song Flawless.

Wenn ich so darüber nachdenke, dann lässt mich all dies sagen:« Ja, ich bin Feministin und ich will mich für Gleichberechtigung auf allen Ebenen starkmachen.»

Gerade deswegen möchte ich an dieser Stelle für einen angenehmeren Zusammenhalt unter uns Frauen plädieren. Denn dieser ist katastrophal. Nicht die Beauty- und Fashionindustrie macht uns zu Konkurrentinnen, sondern der permanente Vergleich. Es wird immer eine Frau geben, die schöner, klüger, grösser, kleiner, eloquenter, zierlicher oder lustiger ist. Dieser selbst auferlegte Druck immer besser zu sein, ist nicht förderlich für ein positives Gruppengefühl. Solange wir im permanenten Konkurrenzdenken verharren und nicht mehr Toleranz zur Unvollkommenheit an den Tag legen, wird Feminismus an uns selbst scheitern. Wenn wir als Gruppe funktionieren, wird es einfacher Verbündete zu finden: So wie beispielsweise die 28 berühmten Männer, die erstklassige Feministen abgeben.

Liebe Grüsse nach Bern
Fabienne


Verlosung: Stan Smith Adidas Sneaker

Eine tolle Frau und grosses Vorbild meinerseits ist Phoebe Philo, Chefdesignerin bei Céline. Saison um Saison entwirft sie Designs, mit denen sie auf ihre Weise für das Selbstbestimmungsrecht der Frau eintritt: Nicht plakativ, sondern in einer zurückhaltenden Form. Solche starken Persönlichkeiten setzen zurecht Trends: Mit ihrem sympathischen Auftritt hat Phoebe Philo beispielsweise auch dem Adidas Stan Smith Sneaker zu einem erneuten Höhenflug verholfen.

Wir von Dito möchten Frauen und Männer dazu inspirieren, genauso auf die Hinterbeine zu stehen und für die eigenen Vorstellungen und Träume zu kämpfen. Aber auch im Kollektiv zu denken und für andere einzustehen. Symbolisch verlosen wir unter allen Kommentaren, hier und auf unserer Facebookseite, mit der Unterstützung von urbanpeople.ch ein Paar Unisex Adidas Stan Smith in der Grösse 38.  Dafür möchten wir gerne von dir wissen: Was denkst du über den Feminismus von heute? (Teilnahmeschluss ist der 15.12.2015)

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7 Comments

  • Zersch mal merci für die wort :)! Ich wo zimmli prägt worde bi vo mim mami als elleierziehendi findes sehr sehr wichtig dass mir fraue füre stönd und kämpfed um eusi recht!
    Glichzitig findi aber au srecht vom muetterschutz zb sehr wichtig! Srächt mami defe zsi und das au füre lengeri ziit und nöd müese angscht ha am schluss vorere chündigung da zstah.

    Lets go!

  • Für mich ein Rätsel, warum teilweise immer noch solche Unterschiede gemacht werden! Wir sitzen in der selben Klasse, im gleichen Kurs, leisten unseren Beitrag in Projekten…

    Ebenfalls kann ich mich Coco nur anschliessen. Leider mündet die Entscheidung `länger für die Familie dasein zu wollen` bzw. den Mutterschutz zu verlängern (und sei es nur für insgesamt ein halbes Jahr) oft in die Abzweigung „Adieu, Ciao!“ (so auch bei mir geschehen). Ist man sehr gut ausgebildet wird es (deshalb?) fast erwartet, dass man raschmöglichst wieder an den Arbeitsplatz zurückkehrt (oft zu den alten Stellenprozent). Entscheidet man sich für eine längere Pause, wars das dann, ohne Möglichkeit zur Rückkehr – oder halt dann irgend ein Kopier-Jöbbli… Im Vergleich dazu stelle ich jetzt mal einfach ein Sabbatical in den Raum – Rest der Geschichte kennt man ja…

    Es müsste mehr Job-Sharing-Modelle geben. So einfach wärs!

    Und ja: stömmer nöcher zämä ♥

    • Liebe Karin, schön oder eben nicht „schön“ von deinen Erfahrungen zu hören. Ich stimme dir absolut zu, es gilt neue Arbeitsmodelle und vorhandene Strukturen aufzubrechen. Wie du auch so schön sagst, liegt so viel Frauenpotential teils brach, weil sie eben einem Teilzeitjob nachgehen müssen, damit alles irgendwie nebeneinander her geht…Lieber Gruss Fabienne

  • Ich denke, dass s Wort Feminismus het hüet würkli en negative Touch becho – leider. Aber di eigentlichi Idee wär ja gsi, dass mir für eus Fraue istah wänd und nöd, dass mer eus gege d Männerwelt wend verschwöre… Ich glaube aber, dass sich das wieder ändere chan. Bests Bispiel sind Fraue wied Emma Watson wo mit gutem Vorbild vor gönd. Merci für de toll Bitrag.

  • Leider hat der Begriff „Feminismus“ heute oft eine negative Konnotierung. Feminismus wird gleichgesetzt mit Männerfeindlichkeit oder dem Ausdruck „Frauen an die Macht“.
    Das ist leider eine sehr traurige Entwicklung, der Urapeungsgedanke des Feminismusnwar überhaupt nicht Männerfeindlich.
    Und genau dorthin möchte ich auch heute gehen. Ich finde es soll eben nicht nur um die Frauen gehen, sondern auch um die Gleichberechtigung von Männern.
    Im Sinne von Emma Watson – he for she! Vereinbarung von Beruf und Familie, gute Teilzeitstellen in Toppositionen, das sind nicht nur Peobleme der Frauen, sondern auch der Männer. Wenn beide Geschlechter diese Möglichkeit haben, ist die Familienplanung auch schon etwas einfacher. Auch die Einführung eines Vaterschaftsurlaubs ist längst hinfällig. Ich würde also eher den Faktor der Gleichnerechtigung in den Fokus nehmen und zwar Gleichberechtigung auf beiden Seiten.Gleiche Chancen für Männer und für Frauen!

    • Herzlichen Glückwünsch, Nina! Du bist die Gewinnerin der Adidas Stan Smiths!! (Siehe Auflösung auf Facebook) Schick uns doch deine Adresse, damit wir dir das Paket zusenden können. Allen anderen danke ich herzlich für die tollen Gedanken! Liebe Grüsse Fab

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