Carrier Bird

Carrier Bird Tafel

Hand aufs Herz: Ich hätte nie gedacht, dass unser Baby «Ditomag» uns zu so vielen neuen und lieben Bekanntschaften führen würde. In der Rubrik «People» stellen wir dir nämlich aussergewöhnliche Menschen vor, die ihrer Leidenschaft frönen. Und für mich ist das immer was ganz Besonderes, denn wir nehmen uns auch wirklich Zeit die Persönlichkeiten dahinter kennenzulernen und so porträtieren zu versuchen, wie sie sind.

Martina Friedli hat uns via Mail kontaktiert und uns ihre Produkte vorgestellt. Sie war mir von der ersten Zeile weg sympathisch, schliesslich liest sie nicht nur unser Blogazine, sie hat doch tatsächlich meinen Nutribullet-Post von A bis Z zu Ende gelesen.

Und das, obwohl ich mich normalerweise eher für Burger und Hot Dogs interessiere.

So schrieb mir Martina. Hmm… ein Mädel aus Bern, das gerne Burger isst und dann noch wunderbare Siebdrucke und Selbstgemachtes anfertigt? Mir war sofort klar, dass ich Martina kennenlernen muss und überglücklich, hat sie unserem Treffen zugestimmt.

Martina Friedli

Kurzportrait: Martina Friedli, 27 Jahre alt, Grafikerin bei «Sal y Limon» und seit 2015 zu 40% Selbstständige u.a. mit ihren eigenen zumeist illustrativen Produkten unter dem Namen «Carrier Bird».

Liebe Martina, wie würdest du deinen «Carrier Bird» Stil beschreiben für diejenigen, die dich noch nicht kennen? 

Ich denke, meine Sujets und Produkte haben immer etwas leicht Verspieltes. Ich mag Dinge, die einen zum Schmunzeln bringen, die lustig sind, und versuche das in meinen Produkten zu reflektieren. Ich glaube, Kinder wie auch Erwachsene mögen meine Sachen, weil sie keine allzu grosse Ernsthaftigkeit beinhalten.

Wie bist du denn zu diesem Stil der Illustration gekommen?

Ich wurde sicherlich durch verschiedenste Vorbilder beeinflusst. Zum Beispiel durch Oliver Jeffers, ein australisch-irischer Kinderbuchillustrator, den ich zufällig entdeckt habe. Er hat einen absolut coolen Humor und wiedergibt diesen dann auch in seinen Büchern. Aber schlussendlich sind es vielerlei Dinge, die ich sehe und beobachte, die mich inspirieren.

Mir ist aufgefallen, dass du oftmals Tiere illustrierst. Weshalb hast du dich für diese Sujets entschieden?

Ich zeichne einfach am liebsten Tiere. Wenn ich mich an Menschen versuche, dann bin ich vom Resultat nie überzeugt. Ich habe schon gerne Tiere, es ist aber nicht so, dass ich der absolute Tier-Fanatiker bin (lacht). Ich mag sie aber einfach als Zeichnungen. Angefangen habe ich mit Nagetieren, allerdings bekomme ich viele Anfragen Hunde oder Katzen zu zeichnen. Ich versuche mich gerade daran, aber irgendwie erscheinen mir diese nie sympathisch auf den Zeichnungen (lacht).

Also widme ich meine Zeit dann halt wieder lieber den Meerschweinchen.

 

Wolltest du eigentlich schon immer Grafikerin werden?

Lange Zeit wusste ich gar nicht, was ich werden wollte. Gezeichnet habe ich zwar schon immer gerne, deshalb habe ich dann im Gymnasium als Schwerpunktfach «Gestalten» gewählt. Allerdings traute ich mir den Werdegang zur Grafikerin damals nicht so recht zu. Ich habe nach dem Abschluss versucht den Vorkurs zu besuchen und wurde leider knapp nicht angenommen. Allerdings habe ich kurze Zeit später eine Lehre, in einer Werbeagentur und Verlag in einem, gefunden und konnte so, doch noch meinem Berufswunsch nachgehen. Das Tolle daran war dann auch, dass ich zu Beginn der Lehre das Zermatter Maskottchen «Wolli» ins Leben rufen durfte. Wolli, das Schwarznasenschaf, wurde dann als Merchandiseartikel und in diversen von mir gestalteten Kinderbüchern unter die Leute gebracht. Das ist vielleicht auch der Ursprung meines Wunsches, Kinderbücher zu illustrieren. Also einer meiner vielen Träume (lacht).

Da hake ich doch gleich nach: Was oder auch wen möchtest du mit deiner Arbeit erreichen?

Meine Idealvorstellung wäre es, einen eigenen kleinen Laden in Bern führen zu dürfen. Einfach mein eigenes Ding machen zu können. Diesen Traum habe ich mir ja jetzt schon gewissermassen mit meinem «Carrier Bird» Onlineshop erfüllen dürfen. Ich sehe in meiner Vorstellung aber stets ein kleines Schaufenster mit meinen Postkarten und anderen Produkten vor mir. Das wäre einfach grandios! Ein weiterer Wunsch wäre aber immer noch ein eigenes Kinderbuch inklusive Geschichte, Text und Illustrationen – alles aus meiner eigenen Feder. Ich mag es detailreich wie z.B. im Kinderbuch «Pettersson und Findus».

Hauptsache man merkt, dass der Macher viel Zeit und Liebe investiert hat.

 Wie bist du auf die Idee gekommen, Postkarten zu erstellen?

Ich habe vor einiger Zeit als Freelancerin für den ABC-Verlag Postkarten illustriert. So bin ich auch überhaupt auf die Idee gekommen, mit Postkarten meine eigene Selbstständigkeit auf die Beine zu stellen. Von insgesamt 10 Karten hatten sie dann 2 ausgewählt, die dann in den Verkauf kamen. Mit den restlichen 8 Kärtchen ging ich dann direkt auf die Läden Yamatuti, Fizzen und Chat Noir zu. Die haben dann auch sofort eingewilligt, diese verkaufen zu wollen. Ich war total überwältigt, ich hatte mir bis dahin noch nicht einmal überlegt, wo ich diese drucken soll. Also habe ich diese dann selbst auf meinem eigenen Drucker ausgedruckt, selbst zugeschnitten und alle Goldpartikel von Hand drauf gemalt (lacht). Sozusagen eine weihnachtliche Familienproduktion, da mir meine Familie und mein Freund dabei geholfen haben.

Inwiefern gefällt dir deine Selbstständigkeit und hast du Tipps dazu?

Da ich mich erst seit Herbst 2014 zu 40% selbstständig gemacht habe, stehe ich damit noch am Anfang. Allerdings gefällt es mir bisher sehr gut. Ich freue mich über jeden kleinen Erfolg, wie zum Beispiel wenn ich meine Karten im Laden sehe. Seit Kurzem auch im «Changemaker». Ich hatte auch schon zwei Mal einen Stand an einem Markt und konnte so die Reaktion meiner Kunden direkt erleben, das ist ein super Gefühl! Als Tipp kann ich nur zwei Dinge nennen:

Ehrgeiz und vor allem Freude an der Sache zu haben, die man macht.

Es braucht aber sicher auch eine Portion Disziplin. Im Moment stimmt die Teilzeit-Selbstständigkeit für mich, da ich so nicht um jeden Preis davon abhängig bin. So kann ich mich auch wirklich auf das konzentrieren, was mir Freude macht, ohne allzu grossen Druck zu verspüren.

 

Worauf achtest du bei deiner Produktion?

Ich achte jetzt nicht bewusst auf Trends, aber lasse mich sicherlich davon beeinflussen. Der Trend zum Handgemachten findest du sicherlich in meinen Produkten wieder. Nachhaltigkeit und Recyclingpapier sind mir ebenfalls wichtig, hoffe allerdings, dass dieser «Trend» bleibt und nicht wieder in der Versenkung verschwindet. Ich finde es auch toll, dass die Leute heutzutage mehr darauf achten, ob etwas aus der Schweiz stammt oder hergestellt wurde. Ich schaue auf jeden Fall darauf und mir ist wichtig zu wissen, woher die Materialien stammen, die ich nutze. Ich nutze Recyclingpapier, weil ich es gut finde, aber auch, weil es mir an und für sich gut gefällt. Siebdrucke erstelle ich selbst. Ich habe mich im alten Loeb-Lager gemeinsam mit anderen einmieten können und drucke dort auf Holz, Taschen und für Freunde auch Shirts. Holz mag ich ganz besonders, weil es ein natürliches Material ist, aber auch, weil ich es verändern kann und es trotzdem eigene Strukturen hat, die man nicht beeinflussen kann.

Was bedeutet der Name «Carrier Bird» bzw. wie bist du auf diese Namensgebung gekommen?

Ein Lied von Eels heisst «I like birds» und nebst dem Song hab ich einfach das Wort «birds» gerne. Des Weiteren mag ich Vögel und dazugehörige Illustrationen. Und auf Umwegen bin ich gemeinsam mit einer Freundin auf die symbolische Brieftaube gestossen. Da habe ich das eben so kombiniert und schon war der Name «Carrier Bird» geboren. Ich fand das einfach eine «härzige» Vorstellung.

 

Traditionellerweise gebe ich dir zum Abschluss unseres Gespräches Stichworte/Phrasen/Kurzfragen und du sagst mir, was dir spontan dazu einfällt. Ready? Go!

Nike oder Adidas: Beides nicht wirklich, aber wenn dann Adidas.
Coop oder Migros: Als Coop-Kind aufgewachsen, jetzt finde ich das Migros cooler!
Licht:
wichtig!
Sonntag:
einer meiner Lieblingstage
Superheldenkraft:
Gedankenlesen
Luxus:
Das machen zu können, was man möchte. 
Zeit:
Verbringe ich gerne mit Familie und Freunde.
Musik:
Was mich froh macht, z.B. «Thomaten und Beeren».
Diese 5 Dinge nehme ich in die Berge:
Skizzenbuch, iPod, mein Freund, Bücher (Sven Regener mit «Magical Mystery») und mein Schweizer Sackmesser.
Ich in 10 Jahren: Ich bin nicht der grosse Planer, aber wer weiss, vielleicht mit meinem eigenen Laden?!
Ich könnte leben ohne: Schokolade
Ich möchte nicht leben ohne: Burger – aber bitte ohne Käse! Und: Das Verhältnis muss stimmen, mehr Brot als Fleisch.
Was möchtest du Dito noch sagen: Ich finde, wir nehmen uns manchmal zu wenig Zeit für uns selbst. Daher: Nimm dir Zeit für Freunde und die Dinge, die dir Freude bereiten!

Bern: klein, gemütlich, spannend oder auch: Aare, ISC, kleines Brocki, Moss.

«Carrier Bird» Produkte findest du, lieber Leser, in folgenden Berner Läden: Yamatuti, Fizzen, Changemaker und im Chat Noir. Oder direkt im Carrier Bird Onlineshop. Mehr Infos zu Martina auch auf Facebook und Instagram.

 

Liebe Martina, vielen herzlichen Dank für deine Gastfreundschaft! Ich war überaus entzückt über deine Person, deine Wohnung und gemütliche Einrichtung. Und der Kaffi schmeckte übrigens wunderbar.

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