Château Viktoria Marché

Château Viktoria
v. l. n. r: Antje Kropf, Natalie Kauer, Manu Gerber und Mansing Tang || Fotos ©Manu (viktoriafashion.ch)

Ich könnte jetzt ein Loblied über Freundschaften singen. Ich könnte hier klar und deutlich niederschreiben, wie toll diese Frauen sind. Und ich könnte dir erzählen, wie sehr mich das Gespräch und unser Treffen begeistert und gepackt hat. Ja, all das könnte ich. Ich muss es aber gar nicht, weil du es beim Lesen gleich selbst in Erfahrung bringen wirst. Mit den Mädels ist es eben kein Müssen, es ist einfach.

Für unser Treffen lasse ich extra meine Yogastunde sausen, ich kenne die Wohnung bereits und weiss schon, wie toll sie ist. Doch die tollste Wohnung ist halb so schön, wenn es diese vier Frauen nicht geben würde, denn sie wohnen nicht einfach darin, diese Wohnung verbindet sie und ich bin mir sicher, ihre Freundschaft ist weit mehr als nur die Räumlichkeiten, die sie bewohnen. Die Rede ist vom «Château Viktoria» der kreativsten Mädels-WG im schönen Bern.

In unserem Interview soll es nun aber gar nicht, um ihre WG gehen, sondern um den «Marché», den die Mädels am Samstag 2. Mai nun schon zum dritten Mal im Kaffee wartsaal veranstalten. Und doch wird einem schnell klar, dass die beiden Dinge halt eng miteinander verknüpft sind. Denn den «Marché» gibt es nicht ohne die Vier und würde eine fehlen, dann würde es den «Marché» nicht mehr geben.

Es gibt ein Schloss im Berner Lorrainequartier. Wir finden zumindest, es sieht nach einem aus und nennen es so: Château Viktoria. Seit 2013 führen wir das gleichnamige Label. Wir wollen damit einerseits unsere Freude an schönen Dingen mit der Welt teilen und andererseits mit Aktionen wie dem «Marché», eine Plattform bieten, um dasselbe anderen Kreativen zu ermöglichen.

Ein wahrlich eingespieltes Team, das spüre ich sofort. Verglichen mit einem Zahnrad fügen sich alle Stärken gemeinsam zu einem Ganzen zusammen und es wird dort angepackt, wo es die eine oder die andere gerade braucht. «Same, same but different», so könnte man dem Quartett auch sagen. Und weil sie so super harmonieren, trägt beim Interview jede ihren Teil dazu bei.

Kurzportrait:
Antje (29), «die herzliche Texterin und Projektmanagerin», die durch die WG zu sich selbst gefunden hat und nun seit ihrem kürzlichen Auszug stets gerne als Besucherin in ihr altes Zuhause zurückkehrt.
Natalie (28), aka „d’Muetter“ / «die verbindende Initiantin», die auf ihr Bauchgefühl hört und damit stets richtig liegt.
Manu (29), aka „d’Putzmuetter“ / «das gute Herz» aus dem Emmental, welches fürs Schneidern und Fotografieren (viktoriafashion.ch) schlägt.
Mansing (28), «der tragende Fels in der Brandung», die durch das Château Viktoria vom Kopfmensch zum Bauchmensch wurde.

Warum Château Viktoria?
Wir haben uns alle auf unterschiedlichste Art und Weise kennengelernt. Unsere Wohngemeinschaft hat für uns die Bedeutungsform eines Schlosses. Es passt einfach symbolisch zum Wohlfühlfaktor in der Wohnung und der Aura, die sie umgibt. Viktoria liegt daran, dass wir an derselben Strasse leben und es ist ein Frauenname, der glorreich klingt und somit gut zu uns passt.

Wie ticken denn die Viktoria Mädels?
Wir sind alle gleich und trotzdem nicht gleich – es ist einfach super zwischen uns. Wir haben die gleichen Ansichten und Vorstellungen, trotzdem ist jede individuell. Und deswegen harmoniert es zwischen uns auf allen Ebenen: Wir haben dieselben Ziele und Vorstellungen und dennoch bringt jede von uns andere Inputs ein, die uns gemeinsam weiterbringen. So ziehen wir alle an einem Strang. Wir vertrauen einander und können uns aufeinander verlassen. Man kennt die Stärken und Schwächen der anderen oder anders gesagt: Wir kennen uns durch das Zusammenwohnen auch ungeschminkt. Schliesslich sind wir eine Familien-WG, keine Zweckgemeinschaft.

Was wir machen, das machen wir richtig.

Wie ist der «Marché» entstanden?
Wir machen vieles selbst in unserer Wohnung und auch in unserer Freizeit. Genau diese Leidenschaft kreativ werden zu können, wollten wir nach aussen tragen. Ausserdem finden wir, dass es eine Überdosis an Flohmärkten in Bern gibt. Deswegen wollten wir etwas ganz anderes auf die Beine stellen. Ursprung des Ganzen waren dann schliesslich unsere WG-Feste, die wir bis zur Perfektion – im übertriebenen Masse – für unsere Freunde geschmissen haben. Also beschlossen wir, unseren kreativen Output zu professionalisieren. Denn unsere Freunde waren ziemlich überwältigt und überfordert von unserer kreativen Explosion (lachen).

Wie sieht euer Konzept aus?
Wir legen Wert auf einen guten Mix aus den verschiedensten Bereichen: Kleidung, Schmuck, Essen, Dekoration, Möbel, etc., es braucht eine Balance zwischen all diesen Dingen. Ausserdem bieten wir drei Newcomern eine Plattform, damit wir auch die fördern, die in ihrem Schaffen noch am Anfang stehen. Darauf legen wir besonderen Wert. Wir finden es wichtig, dass alle dieselben Voraussetzungen erhalten. Zum Beispiel bekommen alle dieselben Tische zur Verfügung gestellt, damit es für alle gleich fair ist.

Für uns geht es immer um Ästhetik. Das ist für uns vier zentral. Manchmal ist etwas auch nur schön, fürs schön sein.

 

 

Habt ihr Tipps für Selbstständige oder Learnings, die ihr weitergeben könnt?
1. AGB: Wir haben nun Allgemeine Geschäftsbedingungen eingeführt, damit sich alle an dieselben Regeln halten.
2. Timing: Frühzeitig Termine zu setzen, ist besonders wichtig. Ein Timing festlegen, damit wir wissen, welche Tasks wann anstehen. Beim zweiten «Marché» waren wir etwas im Stress, mittlerweile sind wir aber auch entspannter und haben mehr Erfahrung darin, der dritte «Marché» geht nun einfacher von der Hand.
3. Schritt für Schritt: Wir sprühen vor Ideen und haben gelernt unsere Ideen zu sammeln, bündeln und schrittweise auszuleben, aber nicht alle auf einmal. Das Pulver nicht auf einmal verschiessen.

Wie sehen eure Ziele aus?
Eine ganze Seite in der Annabelle (lachen). Also eigentlich wünschen wir uns, dass Leute vor allem in Bern aber auch aus anderen Städten gerne an unseren «Marché» kommen, weil man eben einfach an den «Marché» gerne hingeht. Schön wäre es, wenn wir uns mit dem «Marché» so etablieren, dass er ein fester Begriff in Bern wird, ähnlich wie der Reitschulen-Flohmarkt, obwohl wir natürlich ein ganz anderes Konzept verfolgen. Des Weiteren ist uns wichtig und setzen wir uns auch zum Ziel, dass wir unserer Linie treu bleiben und wir weiterhin Wert auf Details legen, wie z.B. unsere von Hand genähten Flyer. Wir würden es bevorzugen mehrere kleine Marchés zu veranstalten, als nur einen grossen – wir möchten den familiären Charakter nicht verlieren. Unsere Vision als Nächstes wäre ein eigener Stand mit unseren eigenen Produkten, aber dafür brauchen wir noch etwas Zeit (lachen).

Erst jetzt bei der dritten Ausgabe fühlt es sich so richtig echt an. Die ersten beiden Ausgaben waren wie eine Art Hauptprobe, nun haben wir Blut geleckt und stehen doch noch ganz am Anfang.

Was macht der «Marché» für euch besonders?
Uns gefällt schlichtweg der ganze Tag: Du sprichst mit vielen, lernst neue Leute kennen, lachst den ganzen Tag, gar so fest, dass abends die Mundwinkel schmerzen (lachen). Es ist einfach ein cooler Tag, den wir als Gastgeber verbringen, natürlich auch anstrengend, sodass wir danach richtigen Muskelkater verspüren. Wir haben eben auch Verantwortung, es reicht nicht einfach nur Tische für die Anbieter aufzustellen, wir bemühen uns für die Anbieter und Besucher gleichermassen und es hat mit einer grossen Portion Organisation zu tun. Wenn wir dann sehen, wie viel Freude alle dabei haben und wie motiviert alle dabei sind, berührt uns das sehr. Besonders auch weil unsere Freunde uns unter die Arme greifen und grossartig unterstützen.

Wir sind eine Familie und keine Firma, der «Marché» ist unser Herzensprojekt.

 

Natürlich spielte ich mit den Mädels zum Abschluss das «Frage-Antwort-Spiel». Uuuuund los:

Nike oder Adidas: Nike!
Coop oder Migros: Migros – was würden wir ohne unseren geliebten Bananenquark machen …
Samstage:
Lädeli-/Markttag oder auch einfach Marché-Tag
Superheldenkraft: Haben wir, wenn wir zusammenarbeiten.
Musik: 
https://www.youtube.com/watch?v=OI3shBXlqsw
Freundschaft: Ist der Boden des «Marché».
Design: Macht die Welt schöner und verbindet uns. 
Verzicht: Aufsparen!
Motto 2015: «Hallo, jetzt erst recht Marché» – die Trockenübungen sind durch, der dritte Marché wird ganz besonders!

Last words: «Guetä Muet»!

Die dritte Ausgabe «Marché» findet bei jeder Witterung am Samstag, 2. Mai von 14 bis 20 Uhr im wartsaal in der Lorraine statt. Es erwartet dich Handgemachtes, u.a. von Carrier Bird, leckeres Essen, Frühlingsdrinks und vier motivierte und aufgestellte #girlbosses. Also kommt in Scharen liebe Berner – eine DITO Empfehlung.

Ein herzlicher Dank an die Château Viktoria Ladies für das herzliche, inspirierende Interview und den feinen Flammkuchen!

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