Cinque Terre

Cinque Terre
Manarola

Sonne, Strand und Meer! Mein Herz spürt eben, was mir hier in der Schweiz fehlt. Und doch bin ich froh in diesem Land leben zu dürfen, welches so gut zu mir und so nah an diesen drei Aufzählungen dran ist. Denn nur wenige, um genau zu sein sieben, Stunden Zugfahrt brachten mich vor vier Wochen nach Italien. Auf dem Plan? Dolce far niente. Denn das gönne ich mir viel zu wenig und dann muss halt eben alles nachgeholt werden.

Wohin es mich im September verschlagen würde, wusste ich erst kurz vor Abreise. Wie gesagt, einzige Voraussetzung für meine Wahl: Sommerverlängerung. Mittlerweile frage ich nur allzu gerne auf den sozialen Netzwerken nach Ausflugs- und Urlaubs-Tipps. Selten werde ich enttäuscht und umso erfreuter war ich, als ein lieber Bekannter mir diesen Geheimtipp weiterreichte: Cinque Terre bzw. Maremesco. Vor meinem geistigen Auge sah ich das kleine Glühbirnchen in meinem Kopf aufleuchten. Wollt ich doch schon lange mal diese bunten Häuser bewundern, die ich sonst nur immer auf unglaublich vielen hippen Instagram-Bildern durchscrollen sehe. Kein Luxus wurde mir versprochen, dafür Natur, eine prächtige Aussicht und leichtfüssige Wanderwege. Ragazzi, ich komme (mit Mama im Gepäck)!

Maremesco Bed & Breakfast

Herzlich wurden wir am Levanto Bahnhof von Antonella empfangen. Das nenne ich Service! Ihr gehört das Bed & Breakfast auf dem Hügel von Levanto und während den rund 7 Minuten, die wir im Auto verbrachten, waren wir heilfroh, wurden wir chauffiert. Eines also vorneweg: am besten kommst du mit dem Rucksack, denn auch wir mussten zwei Dinge feststellen. Erstens, du wirst nur gutes Schuhwerk und deine Badesachen benötigen und zweitens mit Rucksack reist es sich eben besser, besonders, wenn das eigene Bed & Breakfast nur zu Fuss wirklich gut erreichbar ist.

Das Maremesco ist ein kleines Paradies. Seit ihrer Geburt lebt Antonella in diesem Haus und führt die Pension nun schon über fünfzehn Jahre mit ihrem Mann Enrico, dem Künstler. Das Haus ist eine kleine Wunderkiste: an jeder Ecke gibt es etwas zu entdecken. Enrico verschönert und verziert jeden kleinsten Fleck, sodass man sich heimelig fühlt, auch wenn wir hier weit entfernt von meinem geliebten skandinavischen Minimalismus sind. Ich habe mich sogleich zu Hause gefühlt. Die beiden sind überaus sympathisch, geben gerne Tipps und halten auch mal ein Schwätzchen, ohne aufdringlich zu sein. Die perfekten Gastgeber halt.

Und dann diese Aussicht! Ich wünschte, ich könnte jeden Morgen auf so einer Terrasse frühstücken. Das war übrigens auch spitze. Täglich frisches Brot, typisch italienischen Kaffee, einen leckeren Fruchtsalat und auf Wunsch Eierspeisen. Ich kann gar nicht mehr aufhören mit meiner Schwärmerei. Eine kleine Küche kann übrigens auch benutzt werden, welche wir für einen Teller Pasta ausgenutzt haben. Der Fussmarsch in die Stadt beträgt rund 15 Minuten und nochmals so viel bis zum Bahnhof.

Das Maremesco ist ein wahrer Geheimtipp und wer den täglichen Marsch nicht scheut, nach Ruhe und Erholung Ausschau hält, ist hier an der richtigen Adresse!


Levanto

6000 Einwohner soll das kleine Städtchen haben und die meisten Einwohner leben vom Tourismus. Es ist überschaubar, trotz allem nicht von Touristen übersät und bietet nebst Monterosso einen langen Sandstrand, der zum Baden einlädt. Wir haben uns hier pudelwohl gefühlt und einige Stunden mit Nichtstun am Strand verbracht, das eine oder andere Moretti-Bier genossen und uns gleich zwei Mal die leckerste Pizza (bei «Da Domè») gegönnt. Kaum zu toppen!

Ein Muss: Die Wanderung von Levanto nach Monterosso. Ungefähr 3 Stunden, inkl. Pausen, durch Wald und Wiese haben wir dafür gebraucht und uns am Panorama ergötzt. Hach…


Cinque Terre: Monterosso

Wenn du dachtest, dass Levanto zu Cinque Terre gehört, dann täuschst du dich. Erst hier beginnt das erste der fünf Dörfer. Palmen so weit das Auge reicht und die grün-orangefarbenen Sonnenschirme lassen erst so richtig das Italia-Gefühl hochleben.

Ein besonders guter kulinarischer Tipp, den mir ein Arbeitsgspändli L. verriet, muss ich unbedingt weitergeben: «Enoteca Internazionale». Ein spitzenmässiges Weinangebot mit den leckersten Antipasti serviert.


Cinque Terre: Vernazza

Vernazza lädt zum Träumen ein. Die Farben, die Bucht und der Aperol Spritz, der hier einfach besser schmeckt, als zu Hause. Ich hätte stundenlang einfach nur dem Treiben der Leute zuschauen können. Zu unserem Glück war da auch noch ein talentierter Gitarrist auf dem Platz zugange und begleitete unser Abendessen in der «Taverna del Capitano» mit feinstem Rock- und Bluesgezupfe.


Cinque Terre: Corniglia

Das kleinste aller fünf Dörfer erreicht man nur mit dem Zug oder zu Fuss. Denn Corniglia liegt weit oben auf einer grossen Klippe. Die Reise ist das Dorf aber allemal Wert. Schnell muss man sein, um noch einen der heissbegehrten Bussitzplätze zu ergattern, dann geht es in Eiltempo den Hügel hinauf, um oben angelangt feststellen zu müssen, dass man in rund 10 Minuten das ganze Dorf besichtigt hat. Viele tolle kleine Läden und Gelaterias findest du dort und wenn du Glück hast sogar ein Plätzchen in der Bar «Terza Terra».


Cinque Terre: Manarola

Ups. Wie konnte es denn dazu kommen? Ich habe nur ein einziges Bild von Manarola gemacht. Dieses findest du ganz oben im Header. Ganz ehrlich und genau dies war der Zeitpunkt unserer Reise, als ich für mich ein Fazit zog. Cinque Terre ist zwar wunderschön, aber es erinnert mich gar ein wenig an Disneyland. Ein so sauberes und auf Touristen zugeschnittenes Reiseziel habe ich noch nie erlebt. Und je näher wir dem letzten der fünf Dörfer kamen, desto mehr wurde mir bewusst, dass hier eine Touristenblase aufgebaut wurde, die wohl mit dem typisch italienischen Lebensstil kaum etwas gemeinsam hat.

Hier findest du Selfiesticks en masse und eine erfrischende Bucht am Ende des langen Weges.

Cinque Terre: Riomaggiore

Das letzte Dorf war für mich endgültig der Overkill. Riomaggiore empfand ich als den Höhepunkt aller Touristendörfer und nun bin ich mir nämlich gar nicht mehr sicher, ob unten stehendes Bild nicht doch eher Manarola darstellt? Nun wie auch immer, schön sind sie halt schon anzusehen die bunten, verschachtelten Häuser. Doch nach diesem langen Tag und drei Dörfer hintereinander war ich nur noch froh darüber, ins bodenständige Levanto zurückkehren zu können.

Nichtsdestotrotz findest du einen guten Drink und ein leckeres Bruschetta in der «Vertical Bar».

riomaggiore

Ausblick

Cinque Terre haben wir übrigens mit dem Zug abgeklappert. Von Dorf zu Dorf dauert die Fahrt kaum 5 Minuten und die Tageskarte kostet 16 Euro pro Person. Mit dem Schiff kann man die Dörfer auch besuchen oder wie mehrfach erwähnt, kann man den Weg auch zu Fuss bestreiten. Cinque Terre ist ein kleines Wanderimperium und ein Augenschmaus, denn solch tollen Häuser, sieht man selten. Ein fader Beigeschmack bleibt dennoch: zu touristisch, zu inszeniert.

Mein persönliches Fazit: ich komme dennoch wieder und werde das Maremesco in Levanto nächstes Mal noch ausgiebiger geniessen. Selten habe ich mich so erholt und willkommen gefühlt, wie dort oben auf dem Hügel.

Hasta la pizza baby!

ausblick

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