Eine Liebeserklärung an die Väter

Väter
Bild: Barbara Hess | pictura.ch
Liebe Väter

Ihr kommt grad ganz schön unter den Karren im Moment. Aus jeder Richtung fährt so ein Zweitönner auf euch zu: die Gesellschaft, die Arbeitgeber und natürlich wir Frauen/Mütter. Wir alle haben Erwartungen an euch und irgendwie wisst ihr nicht mehr, was ihr denn nun wirklich wollt. Der Arbeitgeber sagt: “schaffe, schaffe, schaffe”, die jungen Mütter dieses Landes fordern von euch mehr Unterstützung. Im Kinderzimmer und in der Küche. Beide Wünsche sind berechtigt. Aber euch bringt das durcheinander.

Ich finde, es ist an der Zeit für eine Liebeserklärung an euch.

Blicken wir zurück:
Noch vor 40 Jahren war der Vater der Familienvorstand und hatte als strenger Direktor den Vorsitz über seine Sippe. Manchmal sonntags spielte er ein wenig mit den Kindern. Aber auch nur, bis das Autowaschen anstand. Nochmals 40 Jahre früher wollten die Väter gesiezt werden. Sie schufteten in der Fabrik oder im Stall und die Kinder bekamen sie nur zu Essenszeiten zu sehen. Dann wurde aber geschwiegen. Mit vollem Mund spricht man nicht.

Und heute haben unsere Töchter und Söhne die besten Väter aller Zeiten. Ihr begleitet uns ins Gebärzimmer und weint, wenn das Neugeborene auf eurer Brust liegt. Ihr versucht, so viel Zeit wie möglich freizuschaufeln, um diese mit euren Kleinen verbringen zu können und auch ein fünfzigstes Mal bei Regen in Tandemfahrt die Rutschbahn runterzudüsen. Ihr wechselt Windeln, ihr wisst, wie viel Milchpulver in den Schoppen gehört. Ihr verarztet aufgeschlagene Knie und kocht Nuggis aus. Und wenn unser Kind mal wieder schlaflose Nächte hat, seid ihr diejenigen, die beruhigende Lieder summt. Und ihr sagt uns Müttern bei Gelegenheit auch schon mal, dass das bisschen Dreck nicht krank macht und dass der Sturz mit dem Like-a-Bike uns wohl beim Zuschauen mehr geschmerzt hat. Und dass diese anstrengenden Nächte auch bald wieder vorbei sind.

Ihr erfüllt euren Job als Elternteil so souverän, dass wir Mütter uns einen grossen Teil davon abschneiden sollten. Wir, die vor 40 Jahren, als der Mann bei der Arbeit war, oder beim Autowaschen, zu Hause alles im Griff hatten, die Fäden zogen. Uns Müttern fällt auf, wenn die Hose des Kleinsten verkehrt herum angezogen ist. Wir halten es für falsch, erst um 11 ein Znüni zu essen, wenn es in einer Stunde schon wieder Zmittag gibt. Und wir verwerfen die Arme, wenn nach einem Papitag die Küche aussieht wie Sau und gleich noch Freunde zu Besuch kommen. Wir Frauen neigen dazu, alles zu zerdenken. Und gerade zerdenken wir die Elternschaft. Und wir zerdenken euch. Statt euch einfach machen zu lassen und zu vertrauen, dass ihr das schon gut macht. Versteh mich richtig: ich bin auch dafür, für eine Väterzeit zu kämpfen, für uns Mütter bedeutet das aber auch loslassen zu lernen.

Bitte, liebe Väter, helft uns! Sagt uns, dass alles gut ist und gut wird. Dass es weder das Kind noch sonst jemanden stört, wenn Kleidungsstücke vertauscht sind, dass ihr schon eure Gründe habt für ein spätes Znüni und dass besonders eure Freunde es verstehen, dass es bei euch nicht piekfein aussehen kann, immerhin seid ihr berufstätig und habt ein Familie / einen hauseigenen Wirbelsturm. Und sagt uns wieder mal, dass ihr für uns da seid.

Wir müssen es hören, wir sehen es nämlich nicht mehr.

Danke, dass ihr unseren Kindern so wunderbare Väter seid. Macht weiter so. Für die Väter in 40 Jahren. Und die Mütter.

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5 Comments

  • Mit der Liebeserklärung bin ich voll einverstanden. Mit der Scheibe abschneiden – sorry, nein. Ich will und kann nicht einsehen, warum Väter für weniger Effort oder weniger Denkarbeit Applaus kriegen, nur „weil sie es tun“. Mir klopft auch niemand auf die Schulter – oder macht mir gar eine Liebeserklärung, weil ich berufstätig bin, eine Familie habe und damit den richtig genannten „Wirbelsturm“.
    Vater meiner Kinder, ich liebe Dich, aber ich erwarte viel von Dir. Gerade WEIL du der Vater meiner Kinder geworden bist.

  • Liebe Andrea. Ich bin auch die einzige, die mir ab und zu auf die Schulter klopft. Und du hast recht, eine Liebeserklärung an uns Mütter wär auch schön! Ich will mir an meinem Partner die Gelassenheit abschauen, mit der er alles anpackt. Ich will ihm glauben, dass unsere Tochter schon nicht verhungert, wenn sie jetzt partout nicht frühstücken will, bevor sie in die Kita geht. Und vielleicht will ich auch einfach weniger Effort und Denkarbeit leisten. Weil ich nämlich viel zu oft viel zu viel denke und mich das fertig macht.

    Ich liebe den Vater meiner Tochter, weil ihm das Geschlechtergstürm egal ist und er einfach tut, was zu tun ist.

    (Wir arbeiten beide 80% und haben eine Putzfrau. Ist das Kind krank, bleibt derjenige zu Hause, der es sich von der Arbeit her besser einteilen kann – was meist er ist, da er seine Arbeit auch Abends noch erledigen kann, ich aber oft Kundentermine habe. Die Wäsche macht derjenige, der eher keine sauberen Unterhosen mehr hat ;-))

  • Jemandem ein Kompliment zu machen, ohne dabei ständig an Gleichberechtigung und mehr noch, die eigene Anerkennung denken zu müssen, zeugt von einer ziemlich grossen Gelassenheit, Barbara. Deshalb und überhaupt: Kompliment! Ich bin ein Fan von deiner Schreibe – Rockette will dich abwerben:)

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