Erfahrungsbericht: Alkoholfreier Januar

Leeres Glas zum Thema alkoholfreier Januar.

Der Januar ist um und ich darf offiziell wieder trinken. Was tat ich am 1. Februar? Ich gönnte mir ein Glas Weisswein, welches ich tatsächlich fast nicht leer getrunken hätte. Aber beginnen wir von vorne.

Laut dem Bundesamt für Statistik trinken 89 Prozent der Männer und 78 Prozent der Frauen Alkohol. Fünf Prozent der Gesamtbevölkerung trinkt chronisch risikoreich. Elf Prozent betrinkt sich mindestens einmal pro Monat.

Me, myself and alcohol

Bier: Manche Menschen mögen kein Bier. Ich mochte es schon seit dem Kindesalter. Mein Grosspapi ist daran schuld, schliesslich gab er mir, an heissen Sommertagen, stets ein Schlückchen vom feinen Gold. Er fand das lustig. Ich mochte den Geschmack. Nicht des Alkohols wegen, deshalb bestellte ich mir schon mit 9 Jahren ein Clausthaler – zum grossen Erstaunen der Kellnerinnen und Kellner und zum grösseren Amüsement meiner Familie.

Wein: Die Weinkunde war wiederum ein Hobby meines Vaters und so bekam ich mit, wenn er von einem «runden Abgang» sprach, dass es sich hierbei wohl um eine gute Flasche hielt. Wein zu mögen, das dauerte allerdings so seine Jahre. Heute weiss ich einen sogenannten guten Jahrgang zu schätzen und bin der Meinung, dass ich dabei den Gaumen meines Vaters geerbt habe (je schwerer und vollmundiger, desto besser schmeckt mir Rotwein).

Stärkeres: Und heute? Nun ja, wie wohl jeder Teenager und ü20 habe ich sogenannte «Abstürze» erlebt und bin kein bisschen stolz drauf. Gehört aber wohl auch zum Älterwerden mit der Erkenntnis, dass man viel zu oft und zu schnell wieder vergisst, wie das beim letzten Mal war. Im Grunde genommen mag ich die Wirkung nur bedingt. Klar, lockert es schnell mal die Zunge, regt zu vermeintlich spannenden Gesprächen an, aber die Kontrolle zu verlieren, das mochte ich noch nie. Umso lieber mag ich die hohe Barkunst. Ein gut abgestimmter Drink mit hochwertigen Zutaten ist sein Geld allemal Wert.

Ein Monat ohne Alkohol

Den Januar abstinent zu verbringen habe ich sicherlich nicht erfunden. Genau deswegen habe ich mir den Monat auch ausgesucht: Ich bin nicht alleine damit. Es ist nicht so, als hätte ich moralischen Support gebraucht. Ich glaube, dass ich genug stark bin «Nein» zu sagen, wenn ich es so möchte. Aber im Januar fiel es mir leichter auf den Alkohol zu verzichten, nach all den Weihnachtsfeiern und den guten Flaschen an Rotwein, die ich nicht verpassen wollte. Zudem liess ich im Dezember die letzten Monate mal Revue passieren und musste mit einem leichten Schrecken feststellen, dass es doch zeitweise mal eine ganze Woche gab, in der ich täglich ein Glas Alkohol getrunken habe (Spieleabende hier, Glühweinstand da, Weihnachtsfeier, Fürabebier, usw.). Zeit das neue Jahr also mit klarem Verstand und Abstand zu diesen Gewohnheiten zu starten!

Die 5 häufigsten Reaktionen auf meine Abstinenz: 

  1. «Bist du schwanger?» Wow, ja ich bin 32 Jahre alt und eine Frau. Würdest du das einen Mann auch fragen (schliesslich sollen Männer ja auch «mitschwanger» sein)? Wohl kaum…
  2. «Ah, Vorsatz und so he? Abnehmen gell?» Ähm, danke weist du elegant auf meine Speckrolle hin, aber nein, wenn ich abnehmen möchte dann mit Sport und Ernährungsumstellung und nicht einfach nur mit Alkoholabstinenz.
  3. «Hier ein Glas Wein!» – «Nein danke, ich trinke diesen Monat nichts.» – «Ist doch nur ein Glas, hab dich nicht so.» Manche Menschen definieren das «keinen Alkohol» auf ihre Weise. Finde ich äusserst fragwürdig.
  4. «Ui nein krass, wie machst du das? Also ich könnte das ja nicht, einfach nur ein Wasser bestellen.» Komisch, ich habe nämlich nicht ein Mal ein Wasser bestellt. Heutzutage gibt es wirklich tolle Limonaden, jungfräuliche Cocktails, alkoholfreies Bier, Säfte, Tee, Kaffee… Warum sollte ich mich komisch dabei fühlen, etwas ohne Alkohol bestellen zu wollen?
  5. «Ah okay» (und schauen sogleich ungläubig auf meinen Bauch). Ja Reaktion Nr. 1 ist und bleibt die eine Frage.

Fazit

Ein bewusster Umgang mit Alkohol, das war mein Mantra im Januar (welchen ich auch gleich als Vegi bestritten habe). Ich wollte herausfinden, ob ich mich komisch dabei fühlen würde, auf das Bier oder das Glas Wein zu verzichten, und bin erleichtert, dass es mir leicht gefallen ist und mich nicht befremdete. Zugegeben, es gab genau einen Abend, nach einem anstrengenden Tag, da hätte ich mir ein kühles Blondes gewünscht. Im selben Moment hinterfragte ich diesen Gedanken, schliesslich möchte ich nicht trinken, um zu vergessen oder mich besser zu fühlen. Und genau deswegen liess ich es bleiben und blicke auf einen 100%igen alkoholfreien Monat zurück.

Nachdenklich werde ich jedoch, wenn ich an die vielen ungläubigen Gesichter denke, die auf meine Alkoholabstinenz reagierten. Das Warum wurde immer wieder ausgesprochen, als müsste ich einen triftigen Grund dafür haben.

Alkohol gehört zum guten Ton und wer hierbei nicht mitmachen möchte, muss sich rechtfertigen dafür.

Das zu Beginn genannte Glas Weisswein schmeckte vorzüglich, jedoch hatte ich nach diesem Glas auch wirklich kein Bedürfnis nach einem zweiten und mein Verlangen nach Wein & Co. ist seither sehr zurückhaltend. Nichtsdestotrotz werde ich auch künftig ein Glas Wein, ein Bier oder einen guten Drink bestellen. Gut möglich, dass ich auch wieder mal einen über den Durst trinken werde. Aber ich möchte es künftig bewusster tun und nicht aus Gruppenzwang oder weil es zur Norm gehört. Dann entscheide ich mich lieber dafür, als Elefantenmama* durch die Bars zu tingeln. Lustig geht nämlich auch so: Törööö!

 

*Gewusst? Elefanten sind ganze 22 Monate lang schwanger. 

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