Frau, Mutter oder Mutti?

Mutti

Immer beim Nägellackieren sehe ich ihn vor mir, den leicht angeekelten Blick meiner Freundin, als sie mir erläuterte, dass Mütter sich einfach zu sehr gehen liessen. Meine Freundin ist 10 Jahre jünger als ich und hat – klar – keine Kinder. Sie hat damit natüüüürlich nicht mich gemeint, das möchte ich hiermit klarstellen. Allerdings muss ich dazu auch sagen, es ist nur allzu selten, dass ich mir die Zeit nehme, mir die Nägel zu lackieren. Also hat sie irgendwie recht.

Zugegeben, als ich prä-schwanger diese eine Frau mit ihrem kleinem Baby und ihren ungepflegten Füssen (ich gehe an dieser Stelle nicht genauer darauf ein) gesehen habe, hat mich das schwer erschüttert. Ich kannte diese Frau; dass sie so wenig auf sich gibt und ihre Füsse nicht wenigstens in geschlossenen Schuhen versteckt, war für mich schon mal bedenklich genug. Was mich aber wirklich verunsicherte, war der Gedanke, dass man – hat man erst mal ein Kind – vielleicht wirklich nicht mehr dazu kommt, sich um sein Äusseres zu kümmern.

Oder, dass es einem EGAL ist. Und ich konnte mich nicht entscheiden, was nun schlimmer war.

Glücklicherweise hatte ich den Anblick dann wieder vergessen, er wäre durchaus einer sicheren Verhütung zuträglich gewesen. Aber als eben meine Freundin das Thema aufgriff, war das Bild wieder da. In der Diskussion versuchten wir dann herauszufinden, was genau hinter dem Phänomen steckt. Und beim Blick in den Spiegel denke ich ebenfalls oft daran.

Wenn ich den ganzen Tag mit dem Kind zu Hause bin, brauche ich mich eigentlich nicht zu schminken. Und es sieht auch keiner, was für Kleider ich trage. Da die ohnehin spätestens beim Znüni voller Krümel, Joghurt oder Filzstift sind, ist es doch ok, wenn ich den ausgefransten Schlabberpulli anziehe. Und deshalb ist es auch egal, wenn da noch Flecken vom Abendessen von gestern drauf sind.

Wer Kinder hat weiss, dass es mindestens eine halbe Stunde dauert, bis jeder Schuh an- und wieder aus- und wieder angezogen ist, bis klar ist, welches Stofftier denn heute mit darf und bis alles für den Notfall (Windeln, Trinkflasche, Müsliriegel zum Bestechen) gepackt ist, damit man auch nur rasch einen Liter Milch kaufen gehen kann. Sich als Mutter jetzt auch noch extra schick zu machen nur, um rasch ins Quartierlädeli zu gehen, wäre übertrieben. Oder? Oder gehöre ich, wenn ich es nicht tue, dann eben zu den Müttern, die sich gehen lassen?

Sich nicht gehen zu lassen braucht viel Anstrengung. Sich vermeintlich grundlos herauszuputzen ist eine bewusste Entscheidung.

Sich als Mutter sexy zu fühlen ist nicht leicht. Kein Mann schaut einer Frau mit Kinderwagen hinterher. Ich habe eine ganze BH-Körbchengrösse einbüssen müssen und auch andere Körperstellen haben an Jugendlichkeit verloren. Hier jetzt bitte nur weiterlesen, wer starke Nerven hat: mein Bauchnabel macht jetzt nämlich einen “Lätsch”, Grännigringli; auf meinem dicken Bauch hatte es ihn herausgeploppt und dabei sind wohl seine Gesichtszüge entgleist. Man lernt einen schönen Bauchnabel eben erst schätzen, wenn er nicht mehr da ist.

Das fortschreitende Alter, eine Geburt…, vieles kann bewirken, dass man sich nicht mehr wohlfühlt in seinem Körper und vielleicht irgendwann ein wenig aufgibt. Aber ich kann mir selbst gleich doppelt helfen: Wenn ich mich um meinen Körper kümmere, fühle ich mich schöner und strahle das auch aus. Sport, schöne Kleider und gepflegte Haut und Haare gehören dazu. Und wie heisst es so schön, wer sexy Wäsche anzieht, fühlt sich besser. Ganz egal ob sie jemand zu sehen bekommt oder der Mann schon vor dem Fernseher schläft nicht.

Dank meiner Lieblingskosmetikerin brauche ich morgens nicht ganz so viel Make-up und die rosigen Wangen nach dem Sport stehen mir auch gar nicht schlecht. Für Bad-Hair-Days gibts Mützen – keine Ausrede!

Ich will hier nicht zur Oberflächlichkeit aufrufen, im Gegenteil. ABER: Wir Mütter sind in erster Linie Frauen und sollen als solche wahrgenommen werden. Und nicht als Muttis.

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