Gilmore Girls Revival

Gilmore Girls
Quelle: WB

Soeben habe ich 7 Gilmore Girls Staffeln hinter mir und bei der letzten Folge geheult wie ein Schosshund. Dabei hab ich die Serie doch bestimmt schon zum dritten Mal gesehen, und trotzdem muss ich auch dieses Mal feststellen, wie nahe mir die Geschichte aus Stars Hollow geht. 2007 hiess es «Die letzte Klappe» für die Sternchen aus dem kleinen Vorort des Bundesstaates Connecticut und nun ist es tatsächlich so weit: 9 Jahre später sind Lorelai und Rory wiedervereint und erzählen die Geschichte zu Ende. Denn am 25. November startet die Miniserie auf Netflix «Gilmore Girls: A year in the Life», die in 4 Episoden, natürlich gemäss den Jahreszeiten, uns auf den neusten Stand bringen soll. Für mich Grund genug, die Serie nochmals von A bis Z durchzuschauen und mich auf dieses grosse Ereignis einzustimmen. Mit Popcorn, Pizza und Kaffee, so wie es sich für einen Gilmore-Fan nun mal gehört. Blicken wir also kurz nach vorn und dann gleich wieder zurück.

Where you lead, I will follow
Any-Anywhere that you tell me to
If you need-If you need me to be with you
I will follow, where you lead

Der Trailer zu «A Year in the Life».

Und hier die letzte Staffel im Schnelldurchlauf (für die ganz Faulen).

Lorelai und Rory

Lorelai Gilmore gibt es nicht nur zwei Mal, sondern ganze drei. Schliesslich wurde Lorelai nach ihrer Grossmutter benannt und nannte wiederum ihre eigene Tochter so. Doch alle nennen die Kleine eigentlich Rory, somit kann man die beiden gut unterscheiden. Ist nämlich nicht einfach, denn Mutter und Tochter sehen sich nicht nur optisch ähnlich. Beide sind stur, ehrgeizig, verdammt ehrlich und nicht auf den Kopf gefallen. Und man mag sie beide vom ersten Moment an. Eigentlich kann man nur von solch einer Mutter-Tochter-Beziehung träumen, um dann doch feststellen zu müssen, dass auch die engste und beste Freundschaft eben nicht immer Platz hat, wenn die Rollen doch eigentlich klar zugeteilt sind. Das durften wir in Staffel 6 miterleben, als zwischen Rory und ihrer Mutter Funkstille herrschte. Schön bodenständig das Ganze und macht die beiden Protagonistinnen und die Serie umso sympathischer, da man bis dato nicht damit gerechnet hatte, dass sich die beiden jemals so streiten würden. Natürlich vertragen sich die beiden wieder und wir werden Zeuge, wie sich die beiden Frauen ihren Lebensumständen und ihrem Alter entsprechend weiterentwickeln.

Lorelai: Ich bin eine erwachsene Frau. – Rory: Sagt die Frau mit dem „Hello-Kitty“-Waffeleisen.

Nun ja, mehr oder weniger. Denn wenn ich nur eine einzige Kernaussage aus Gilmore Girls wiedergeben dürfte, dann wohl die, dass man das tun und mögen soll, was einem entspricht und nicht, was von einem erwartet wird. Lorelai lässt auch mit über Dreissig das Kind in sich zum Vorschein kommen und freut sich wohl am meisten über eine Party mit Hot Dogs und Glitzer-Schminke. Stark!

Die Dialoge

Was wären die Gilmore Girls ohne wahnwitzige Dialoge? Diese Serie besteht praktisch nur aus Wörtern. Und die werden im Schnelldurchlauf abgespult, als gäbe es kein Morgen mehr. Zum Vergleich: Ein Gilmore-Drehbuch ist pro Folge ca. 75 bis 80 Seiten lang und damit also etwa 20 Seiten länger, als die üblichen Serien dieses Umfanges. Die beiden Schauspielerinnen erhielten sogar ein Sprechtraining, damit sie dieses Sprechtempo zum erfolgreichen Markenzeichen machen konnten. Angeblich waren besonders Improvisationen verboten, die Schauspieler mussten sich also genau ans Drehbuch halten. Ziemlich anstrengend und vielleicht der Hauptgrund, weshalb die Serie vor allem von uns Frauen gemocht wurde und wird. Den Männern ist das viele Geplappere einfach zu anstrengend.

Die Männer

Wo es starke Frauenfiguren gibt, sind auch die Männer(probleme) nicht weit. Lorelai und Rory hatten je drei grosse Liebschaften, die man wie folgt zusammenfassen kann:

Lorelai’s erste Liebe und Rory’s Vater ist Christopher. Er stammt aus gutem Hause und liess Lorelai nie ganz los. Immer schwebte er wie ein Damoklesschwert über ihr und ihren Beziehungen. Bis sie in Staffel 7 endlich «Ja» sagt und ihn heiratet, um dann endlich zu begreifen, dass er eben doch nicht der Mann ihres Lebens ist. Ich glaube, das hängt damit zusammen, dass sich die beiden einfach zu ähnlich sind. Dann gab es da noch Max Medina. Der Lieblingslehrer von Rory, zu dem Lorelai bereits Ja gesagt hatte und dann doch das Weite suchte. Es war nicht die grosse Liebe aber ein Mann, der gut zu ihr gepasst hätte. Als hätten wir es nicht von Staffel 1 an gewusst, dass es nur einen geben kann. Luke, der Café-Besitzer mit dem besten Kaffee der Stadt. Bodenständig mit einem Herzen aus Gold. Er würde alles für Lorelai (und Rory) tun und lässt uns verrückt werden. Denn die Achterbahn ist holprig und das Ende verrät nur so viel: die beiden kommen sich wieder näher und dies lässt auf ein Happy End in der Netflix-Miniserie erhoffen!



Obschon Rory im Gegensatz zu ihrer Mutter als Teenager zur kleinen Jungfrau-Maria stigmatisiert wurde (wer mag sich noch an Kotzbrocken Tristan erinnern?) brach Rory einige Zeit später etliche Männerherzen. So zum Beispiel dasjenige von ihrer ersten grossen Liebe Dean. Ein ewiges Auf und Ab. Mit ihm erlebte sie ihren ersten Kuss und dann auch das erste Mal – und das, obschon er verheiratet war zu diesem Zeitpunkt. Die unschuldige Liebe wurde aber rasch zerstört durch den Bad Boy Jess (wir sind wohl alle heimlich für Team Jess), der Rory intellektuell das Wasser reichen konnte – nur leider nicht auf der emotionalen Ebene. Zu viel Luke-Gene, wahrscheinlich. Zu guter Letzt hätten wir da noch den spitzbübischen Logan. Der anfängliche Albtraum für Rory’s Mutter. In ihren Augen ein eingebildeter, verwöhnter Bengel, dessen Eltern Rory’s Zukunft um ein Haar zerstört hätten. Am Ende entschied sich Rory für eine Karriere als Reporterin, an der Seite von Obama, und gegen die Idealvorstellung ihrer Grosseltern Misses Huntzberger zu werden.

Stars Hollow & seine Hauptdarsteller

Der eigentliche Star der Serie ist aber die Stadt selbst. Eine einzige Hommage an eine idyllische Kleinstadt, in der die Welt in Ordnung scheint, weil alle Protagonisten eigen und kurios sind. Alle unterstützen sich tatkräftig, die lustigsten Veranstaltungen beleben die Stadt (mein Favorit: das Festival der lebenden Bilder) und es fühlt sich wie eine grosse Familie an, die einen mit offenen Armen in Empfang nimmt. Natürlich fallen dabei einige Nebendarsteller besonders auf. Zum Beispiel Kirk, der merkwürdige Kauz und Alleskönner, der wohl schon jeden Job der Stadt sein Eigen nennen durfte. Mein persönliches Highlight dieser Rolle ist und bleibt sein eigener Kurzfilm «Kirk».

Dann wäre da noch Taylor, der pingelige Ladenbesitzer und Stadtrat, der besonders gerne seinen Mitmenschen das Leben schwer macht und stets seinen Willen durchsetzen möchte. Obschon er allen auf die Nerven geht, wäre es nicht dasselbe ohne ihn. Dies gilt auch für die nervige Stimme, die der liebenswerten Nachbarin Lorelais namens Babette gehört. Und natürlich darf dabei Miss Patty nicht fehlen, die rothaarige Übermutter von Stars Hollow, die jeden Klatsch und Tratsch kennt und für Unterhaltung sorgt.

Es gäbe noch so viele aufzuzählen, die nicht minder wichtig sind für die Story, und zeigt umso mehr, dass die Serie eben nicht von den Hauptdarstellerinnen lebt, sondern vom ganzen Gebilde und Zusammenspiel. Lorelai wäre schliesslich nichts ohne ihre beste Freundin Sookie. Deren Rolle halb so lustig wäre, wenn sie ihre Gemüsediskussionen mit ihrem späteren Ehemann Jackson nicht hätte oder mit ihrem Concierge Michel, der mit seinem französischen Charme vor allem sich selbst wütend macht. Die Prise Humor wird aber auch von der besten Freundin Lane und deren streng gläubigen Mutter Misses Kim weiter gezogen. Oder war es die selbst ernannte beste Freundin Paris, welcher diese Ehre gebührt?

Also ich bin die Chefredakteurin. Ich bin nicht eure Mutter oder Trösterin. Wenn ihr Liebe braucht, geht zu einer Nutte! Wenn ihr schlecht drauf seid, sucht euch ein Hochhaus oder werdet damit fertig. Meine Tür steht für niemanden offen.

Ja, und dann hätten wir natürlich die Grosseltern Gilmore. Richard und Emily, man liebt sie und hasst sie zugleich. Wie die Freitagsdinner, die man sich heimlich wünscht. Es bricht mir das Herz, ist der Schauspieler Edward Herrmann 2014 leider verstorben und somit nicht Teil der kommenden Miniserie.

Rory: Na Grandpa, wie läuft’s bei der Versicherung? – Richard: Mhm, die Menschen sterben, wir bezahlen. Sie fahren Autos zu Schrott, wir bezahlen. Sie verlieren Gliedmassen, wir bezahlen. – Lorelai: Wenigstens hast du jetzt nen neuen Werbeslogan.

Was wir von den Gilmore Girls lernen können

Kaffee
Du kannst nie genug davon trinken.

Luke: Frischen Kaffee gibt’s in einer Minute. Es sei denn, du willst dir das Pulver gleich durch die Nase reinziehen.

Essen
Der Backofen ist zum Trocknen von Socken geeignet, Pizza geht immer und Eis auch. Ach ja Donuts und Kuchen. Und sagte ich das vom Kaffee bereits?

Popkultur
Die Serie ist dies at its best! Hier wird Britney Spears nebst David Bowie in Szene gesetzt. Pretty in Pink und Showgirls in einem Atemzug genannt – Star Wars in den Kakao gezogen. Man ist nie zu alt, um Popkultur zu leben. Und dann ist da noch Hep Alien. Die grösste Rockband, die Stars Hollow jemals gesehen hat.

Lesen
Rory ist ein Bücherwurm und führt einen ganz schön vor damit. Die Liste ist nämlich wahnsinnig lang und erinnert mich daran, dass ich wieder mehr lesen sollte. Wer mitmachen möchte, hier gibt’s die komplette Liste aller Bücher, die in Gilmore Girls vorkommen.

Schlagfertigkeit
Lass dich nie von deinem Weg abbringen. Sei du selbst. Und das Wichtigste: Bewahr dir deinen Humor.

Kirk: Lorelai, riech mal an meinen Eiern. – Lorelai: Heute nicht Kirk.

Träume, Ehrgeiz und Ziele
Hauptsache To Do Listen. Listen überhaupt. Rory schafft sogar Listen für Listen und dabei trotzdem komplett ratlos zu sein. Und dennoch: was sie sich vornimmt, wird irgendwann zur Realität und beweist damit, dass sich Träume, Ehrgeiz und Fleiss am Ende auszahlen.

Und wenn ich dich nach all diesen Worten noch immer nicht überzeugen konnte, dass Gilmore Girls die beste Serie ist, die jemals zu sehen war (ja ich liebe, liebe, liebe GG) – dann gibt’s nur noch eines zu sagen…

In Omnia Paratus!

Gilmore Girls: A Year in the Life – ab dem 25. November auf Netflix.
More from schneeve

Ein Hauch von Nichts: Nude Lippenstifte

Entweder Augen oder Lippen, so lautet das Einmaleins der Make-up-Devise. Ich bin...
Read More

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.