Happy 30th Birthday to me

Birthday
Eve 7. September 1990

Und plötzlich nähert sich diese Ziffer. Nein, sie ist sogar einfach da! Habe ich noch vor einem halben Jahr davon gesprochen, wie egal mir das alles ist, so steigert sich meine Nervosität von Tag zu Tag. Was habe ich erreicht, was möchte ich noch erreichen und bin ich überhaupt glücklich – nein, zufrieden mit meinem Leben? Während ich meine Mutter immer noch als meine Mamacita (und beste Mutter im Universum) ansehe und sich gefühlstechnisch nichts verändert hat, so merke ich dennoch, ich stehe jetzt als erwachsene Frau neben ihr und überrage sie mittlerweile sogar um einen Zentimeter. Komische Welt.

Klar, es ist der Lauf der Zeit und ich freue mich auf jede Etappe, jede Falte (okay, das war ein bisschen geflunkert), jedes Hoch und jedes Tief, das kommen mag. Hey, es geht mir gut. Ich habe eine wunderbare Familie, die für mich da ist und mich unterstützt. Besonders meine kleine Nichte bereitet mir grösste Freude und ich bin dankbar dafür. Ich habe die besten Freunde der Welt, den wundervollsten Mann an meiner Seite, ein kuschliges Dach über dem Kopf und alles, was ich zum Leben brauche. Ich muss mich einfach nur stets daran erinnern, denn eben, ich bin nur menschlich und möchte gerade am liebsten im Erdboden versinken und den 30. Geburtstag nicht als so grosses Ding ansehen müssen. Tu ich aber.

12 Jahr alt: Was ich dachte, wie mein Leben aussehen wird.

Ein Tag in meinem Leben wenn ich 30 bin.

So lautet der Titel meines ersten Aufsatzes, als ich gerade mickrige 12 Jahre auf dem Buckel trug. Ich wollte in meiner Laufbahn ja so einiges werden. Balletttänzerin, Pianistin, Anwältin, Sängerin, Schauspielerin, Werberin. Tatsächlich durfte ich mir das alles erfüllen. Tanzen tu ich in meinen vier Wänden, Klavier gespielt habe ich lange (und möchte ich wieder aufnehmen), singen tu ich täglich, schauspielern tun wir alle ab und an und in der Werbung arbeite ich in der Tat.

Zurück zum Aufsatz: Als Zwölfjährige befand ich mich also gerade in der Phase, Anwältin und Sängerin zu werden. In meiner Vorstellung arbeite ich nämlich in Los Angeles (klar, schliesslich war ich grösster «Beverly Hills 90210» Fan!), fahre ein rotes Cabriolet, mag Kaffee und Donuts und versuche die Welt besser zu machen. Am Nachmittag mache ich es mir am Strand mit Freundinnen gemütlich, bin mir aber meiner Arbeitsmoral schon sehr bewusst, denn ich fahre nochmals ins Büro und arbeite in die Nacht hinein. Danach gehe ich mit Freunden clubben und werde sofort von Fans um ein Autogramm gebeten. Denn ich bin nicht nur erfolgreiche Anwältin, in Wahrheit bin ich ein Popstar, der sich lediglich eine Auszeit nimmt. Bevor ich es noch knapp ins Bett schaffe (was für ein aufregender, normaler Tag für mich als Popstar-Anwältin!) klingelt auch schon mein Freund an der Türe, der mir als Erster zum Geburtstag gratuliert.

Was für ein Tag!

Wow, ich bin selbst erstaunt, wie realistisch und doch so fern ab von der Realität, ich als Zwölfjährige über mein Leben als Dreissigjährige gedacht habe. Dass ich wohl viel arbeiten werde, das wusste ich schon früh. Schliesslich wurde ich auch so erzogen. Den Traum Anwältin zu werden hatte ich aber spätestens nach der Maturität abgehakt. Eine zu trockene Materie – der Instinkt und Wunsch nach Gerechtigkeit ist allerdings geblieben bis heute.

Aufsatz

18 Jahre alt: Was die Anderen dachten.

Auf unsere Maturitätszeitung bin ich bis heute mächtig stolz! Ich finde sie sehr gelungen und kann rückwirkend sagen, dass ich alles in allem eine tolle Schulzeit verbringen durfte. Unsere Klasse trifft sich bis heute fast jährlich zu einem Treffen in Solothurn und es ist schön zu sehen, wie sich alle so unterschiedlich entwickelt haben.

In unserer Klasse geht das Gerücht herum, dass bei Evelyn zu Hause die Zimmer aus allen Nähten platzen müssen.

Ertappt! Meine Liebe zur Mode und zu ästhetischen Dingen habe ich hier auf Dito einen neuen Platz eingeräumt. Ist aber auch gut so, denn Dito ist die beste Entscheidung, die ich vor 30 treffen konnte. So auch, dass ich heute nur noch in ganz raren Momenten Turbane trage. Ich hatte nämlich als Achtzehnjährige einen regelrechten Turban-Wahn.

Dabei ist ihr restliches Outfit immer perfekt auf die jeweilige Kopftuchfarbe abgestimmt.

Man könnte dem auch «Hang zum Perfektionismus» sagen. Meinem Geduldsfaden wurde übrigens auch gehuldigt, genau so wie dem Mann an meiner Seite, der sich elf Jahre wacker an meiner Seite hielt. Selbstverständlich durfte dabei auch eines nicht unerwähnt bleiben.

Evelyn ist nämlich eine leidenschaftliche und sehr begabte Sängerin. Nur knapp ging sie am grossen Durchbruch vorbei. […] Wir sind aber überzeugt, dass die Welt der Stars noch auf unseren Stern wartet.

Nun ja liebe 4cL-er, ich muss euch enttäuschen. Die Musik wird immer meine grosse Liebe bleiben, doch die ganze Castingeuphorie und die schlechten Aussichten und vor allem Einnahmen als Sängerin, haben mich vernünftigerweise davon abgehalten.

Maturazeitung

Zukunftsvision

Evelyn will nach Berlin oder New York um dort als Sängerin (Stilrichtung Soul, R’n’B, Blues) Karriere zu machen. Evtl. Marketing, Public Relations studieren (Werbung). Evtl. etwas mit Mode (Design, Boutique oder Modeberaterin).

Diesen Absatz findest du ebenfalls in unserer Maturitätszeitung. Na immerhin hat sich eine der Visionen 1:1 erfüllt, die anderen aber irgendwie auch: Ich habe Medien- und Kommunikationswissenschaften studiert, besuche Berlin mehrmals pro Jahr, war auch schon in New York, singe noch immer und lebe meine Leidenschaft für die Mode (und manchmal auch als Modeberaterin für Freunde) aus.

Ich wünsch mir was…

Ich feiere meine Geburtstage sehr sporadisch und habe mir lange überlegt, ob ich den kommenden überhaupt feiern möchte. Ich habe beschlossen, ihn in kleiner Runde zu feiern und einfach einen guten Abend zu verbringen. Denn das sind die Glücksmomente, an denen wir uns alle festhalten und so möchte ich meinen dreissigsten Geburtstag in Erinnerung behalten. Natürlich könnte ich dir nun erzählen, wie ich mir die nächsten zehn Jahre vorstellen. Die klassischen Fragen wie Familie und Karriere stellen sich von selbst. Ich möchte mir all dies freihalten und nehme jedes Ereignis, wie es kommt.

Da ich ein solch verwöhntes Balg bin, liste ich zu guter Letzt nun all die materiellen Dinge auf, die ich mir zum Geburtstag wünsche. Obwohl es mir viel wichtiger ist mit meinen Liebsten feiern zu dürfen, als reich beschenkt zu werden, so mag ich diese Tradition trotzdem. Du weisst nie was dich in so einem Päckli erwartet – genau so ist es ja auch mit dem Leben.

Und während ich hier diese Zeilen schreibe, so merke ich, dass ich überhaupt keine Angst vor der grossen 30 zu haben brauche. Im Gegenteil, ich freue mich auf alles, was noch kommen mag. In diesem Sinne: Ein verfrühtes Happy Birthday to me!

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