High Heels: Vorstellung vs. Realität

High Heels
Quelle: https://thehighheeltimes.files.wordpress.com

Einmeterzweiundsechzig. So gross oder eben klein bin ich. Jedenfalls steht diese Zahl in meinem Pass und auf meiner Identitätskarte, nachgemessen habe ich schon lange nicht mehr. Gewachsen bin ich sicherlich kaum, vielleicht schummelt die verbesserte Haltung den einen oder anderen verloren geglaubten Zentimeter noch dazu. Auf jeden Fall kann ich mit dieser Grösse ganz gut leben. Es reicht zwar nicht, um die höheren Regale zu erreichen, aber man weiss sich ja irgendwie immer zu helfen.

Manchmal wünsche ich mir natürlich einige Zentimeter mehr dazu, wenn ich es mir allerdings wirklich aussuchen dürfte, dann gleich satte 10-15 Zentimeter mehr. Ich stelle mir vor, wie viel einfacher es beim Konzert wäre, endlich auch in den hinteren Reihen etwas zu sehen. Ich male mir aus, dass ich bei Präsentationen gleich mehr Autorität ausstrahle und die Beine würde es bequemerweise auch gleich ohne schweisstreibendes Training strecken.

Elfenhaft in High Heels

All dies ist ein Wunschtraum, ausser ich wäre eine dieser Elfen, die in High Heels schweben können. Oder zumindest rennen. Diese Frauen verdienen meinen vollsten Respekt und haben meine grösste Bewunderung. Meine liebste Mama gehört beispielsweise zu dieser Sorte Frau, die sich in hohen Schuhen, wie in Turnschuhen bewegen kann. Auch meine kleine Schwester verbringt Abende in derart hohen High Heels, dass mir rein beim Anblick schon die Füsse schmerzen. Nur bei mir scheint dieses High Heels Gen verloren gegangen zu sein. Natürlich besitze auch ich das ein oder andere Paar High Heels, wobei diese im Vergleich zu meiner Sneaker und Boots Ansammlung sehr überschaubar sind. Ganz weit hinten horte ich ein Paar wunderschöne dunkelbraune Bally Stiefel, die ich mir vor gut acht Jahren hart und lange mit Babysitting erspart habe. Satte 12 Zentimeter misst der Absatz. Traurige Bilanz: Ich habe sie bisher zweimal getragen. Trennen kann ich mich dennoch nicht von ihnen.

Warum trage ich hohe Schuhe so selten?

Ich bin ziemlich pragmatisch orientiert. So überfliege ich früh morgens meinen Kleiderschrank und stelle mir gedanklich mein Outfit zusammen. Hin und wieder denke ich mir, dazu würden hohe Schuhe perfekt passen. Dann denke ich an den 15-minütigen steilen Weg zum Bahnhof und sogleich entgegnet die knallharte Realität meiner Fantasiewelt: Die Füsse würden mich in hohen Schuhen schon auf halbem Weg umbringen, und dass ich den Zug erwische, ist dann wirklich nur noch reine Glückssache. Ausserdem lässt mein sturer Kopf es nicht zu, dass ich mein rasantes Lauftempo drossle, wie es sich für grazile Wesen auf High Heels gehört. Weiters fühle ich mich in dieser luftigen Höhe gleich viel angreifbarer. Dass ich die Wege ohne Stolperer oder Bruchlandung hinter mich bringe, diese Chance reduziert sich dann gleich Null. Da ich schon mit flachen Schuhen als Tollpatsch gelte, ist mir das im Alltag ein zu grosses Risiko.

In meinen Vorstellungen sind High Heels bequem, belasten meine Achillessehne nicht und mein Fussbett wird auch nicht von Nadelstichen malträtiert.

Aber wofür lohnt sich diese kleine oder eben grosse Tortur? Für diese paar Zentimeter mehr, für den sexy Hüftschwung, für mehr Weiblichkeit?

Dafür muss ich mit Unsicherheit im Gang, schlechter Laune (sobald die Schmerzen Tatsache sind) und peinlichen Erklärungen, warum ich keinen Schritt zu viel in Kauf nehme, bezahlen? All das, ist es mir die Mühe nicht Wert. Flaches Schuhwerk gewinnt.

Bisher habe ich mich – getreu meinem Motto ganz oder gar nicht – immer nur in die Paar Schuhe mit den wirklich hohen Absätzen verliebt. Kitten Heels machen für mich wenig Sinn. Plateau steht den Schwedinnen vorzüglich, mir irgendwie nur mässig. Doch es gäbe Alternativen, die man irgendwo zwischen machbar und halsbrecherischem Wahnsinn einordnen kann: In der Form des Mars-Boots von Rachel Comey.

Mars by Rachel Comey
Mars Boots by Rachel Comey

Vielleicht bewegt mich dieses Modell zu einem Umdenken?

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