Ich habe Angst.

Angst
Quelle: Tim Gouw | unsplash.com
Liebste Fab

Stop. Was mache ich hier gerade für ein Fass auf? Dieses Thema selbst macht mir Angst. Wo soll ich bloss anfangen und wo soll ich bloss aufhören? Ich versuche es einfach gleich mit dem offensichtlichsten Thema: der US-Präsidenschaftswahl 2016. Um ehrlich zu sein, bin ich ganz schön froh, hat dieses Tamtam bald ein Ende. Was für ein Medientheater rund um Genderfragen und Schuldzuweisungen! Obschon ich als Schweizerin/Kolumbianerin zwar nicht in den Staaten lebe, so betrifft uns diese Wahl eben alle. Denn sie setzt ein Zeichen. Wohin führt uns die Zukunft, zu wem werden unsere Töchter und Söhne aufblicken und wie wird sich dieses grosse Land, welches grossen Einfluss übt, weiterentwickeln? Ich beziehe klar Stellung zu Hillary, nicht einfach, weil sie eine Frau ist. Nein, weil sie die klar bessere Option ist. Muss ich jetzt nicht wirklich noch erläutern, oder? Menschenverstand Leute!

Das Schicksal der Welt steht am Abgrund. (Obama)

Ja Politiker können das gut: Angst schüren. Obama tut es in den letzten Wochen besonders gerne, zu recht in meinen Augen. Aber auch der Marktschreier Trump hat seine ganze Kampagne darauf aufgebaut – mit Erfolg (leider)! Denn Angst ist eine äusserst starke Emotion, die jeder Mensch in sich trägt. Und so müssen nur die richtigen Knöpfe gedrückt werden, um dieses negativ konnotierte Gefühl aktiv werden zu lassen. Das ist heute und war auch schon 1933 (und in allen anderen Jahrzehnten) so.

Konstrukt meines Verstandes vs. Realität

Doch wenn ich so länger darüber nachdenke, so hat Angst doch eigentlich ganz was Gutes. Ein Urinstinkt, den wir in uns tragen und der uns beschützt. So zum Beispiel habe ich eine unerklärliche Angst vor Schlangen. Ich kann sie mir nicht einmal auf Bildern anschauen. Bei den einen löst dies Kopfschütteln aus, andere verstehen dies nur allzu gut – ist ja irgendwie logisch, schliesslich habe ich noch nie von z.B. giftigen Häschen gehört… Ein Konstrukt meines Verstandes sagt mir einfach, dass ich diese wirbellosen Tiere nicht mag und mein Beschützerinstinkt teilt mir, meist in meinen Träumen, unterbewusst mit, dass ich ihnen aus dem Weg gehen soll. Läuft.

Ängste können aber auch zum Nachdenken und hoffentlich zu Veränderungen anregen. So empfehle ich dir an dieser Stelle den Dokumentarfilm «Before the Flood» (bis 18. November aufrufbar).

Die Angst ist also einerseits Blockade, andererseits Vorwärtstreiber. Sie spornt an, sie zu überwinden und unsere eigenen Grenzen zu ertasten. Das Negative ins Positive zu kehren. Gerade erst habe ich das vergangenen Sonntag erlebt. Wir so am Schülerkonzert und jeder singt auf einer Bühne der Familie, den Freunden und einigen Unbekannten vor. Bühnen- oder auch Lampenfieber nennt man das im Fachjargon. Backstage nennen wir es einfach pure Angst. Angst vor dem öffentlichen Versagen. Angst vor dem einen hohen oder tiefen Ton, den wir sonst zu Hause mühelos treffen. Völlig normal und doch total absurd. Wir alle wissen es besser und doch sind wir nicht davor gefeit. Das Gefühl danach ist aber eben positiv: geschafft. Auch wenn der eine Ton nicht so getroffen wurde, wie wir uns das für uns selbst gewünscht hatten, wir sind stolz auf uns (und auf die anderen), weil wir der Angst (gemeinsam) ins Auge geblickt haben.

FOMO vs. JOMO

Tatsächlich gibt es die Hipster-Version von Angst. Sie nennt sich FOMO, also «Fear of missing out», und ist Hauptcharakter einiger Artikeln. Der Gegenpol nennt sich, na klar: JOMO. Kurz für «Joy of missing out». Die Angst wird hochstilisiert, egal, zu welcher Partei du dich auch bekennst. Beide Ausdrücke bieten reichlich Stoff zur Inszenierung. In den letzten Wochen wurde mein FOMO zum JOMO, gezwungenermassen. Doch es ist erst das Zurückblicken auf das, was ich verpasst habe, das mich erkennen liess, dass es gar nicht so schlimm war, einiges zu verpassen. Ha! Es klappt also mit dem Umwandeln vom Negativen ins Positive. Yin-und-Yang – irgendwie scheint das eine, ohne das andere nicht auszukommen. Und so versuche ich aktuell meine Angst vor einem erneuten Umknicken/Bänderriss zu überwinden. Schritt für Schritt achtsam zu gehen, täglich immer wie mehr Mut zu fassen und daran zu glauben, dass alles wieder gut kommt.

Um dieses Intermezzo hiermit zu schliessen, wage ich den Bogen vom Ende zum Anfang: Hoffen wir, dass viele US-Staatsbürger einiges an FOMO abbekommen, wählen gehen und sich der 9. November ins Positive umwandelt. Ich wünsche es uns allen.

Herzgruss von Bern nach Zürich,
Eve
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