Japan Part 5: Tokio

Sushi

So, nun ist es soweit: letzte Station Tokio. Eigentlich paradox, schliesslich war es unser erster Halt der gesamten Japan-Reise. Aber wie sagt man so schön: save the best for last! Deswegen blieben wir noch ein paar Tage länger als geplant in Tokio. Mit meinem Bericht habe ich mir ganz schön lange Zeit gelassen. Und wenn ich es mir recht überlege, weiss ich auch warum. Ich wollte einfach nie damit abschliessen. Denn obschon unsere Japan-Reise zwei Jahre her ist, fühlt es sich nicht so an. Eher als wäre es gestern gewesen. Japan ist für mich eine der prägendsten Reisen, die ich jemals gemacht habe und ich weiss, dass ich noch einige Male zurückkehren möchte. Ich habe mich einfach verliebt in dieses verrückte Land (und in den Mann, der mich begleitete), besonders in Tokio. Eine Stadt, die mich fasziniert und in der ich mir gut vorstellen könnte, längere Zeit zu bleiben.

Tokio war für mich aus der Ferne schon immer der Inbegriff des Andersseins. Verrückte Strassen, Menschen und Gewohnheiten, so stellte ich mir das vor:

Hoffentlich können die Japaner aber auch wirklich kein Englisch – ich sehnte mich nach einem Kulturschock, den ich so bisher noch nie angetroffen hatte.

Kulturschock? Im Gegenteil. Bereits am Flughafen Narita angekommen, wurden wir mithilfe der ausgeklügelten Signaletik ausgezeichnet durch den Flughafen geführt. Wir mussten ja schliesslich noch unser Wifi-Gerät am Postschalter abholen. Übrigens: Hier habe ich dir schon einmal alle Tipps zur Reisevorbereitung zusammengestellt. Das Wifi-Dongle kann ich sehr empfehlen! Dann ging es zum Tourismusschalter, unseren JR-Pass abstempeln lassen und dank Reservation wussten wir auch gleich, auf welchem Gleis der Narita-Express fuhr und sogar welchen Wagen wir nehmen mussten. Alles funktionierte einwandfrei. Wir stiegen an der Shibuya-Station aus, denn dieses Bild wollte ich als allererstes sehen: die Shibuya-Kreuzung, die alles toppen sollte. Ähnlich dem Times Square nur mit mehreren sich durchkreuzenden Fussgängerstreifen. Wir standen also nach langer Reise an dieser Kreuzung und waren einfach nur überwältigt und glücklich. Zu meinem Erstaunen konnte ich auch bis zu diesem Zeitpunkt keinen Schock verzeichnen. Es fühlte sich an, als wäre ich einfach angekommen und ich spürte, dass dies ein ganz besonderes Abenteuer werden würde!

Shibuya

Hoteltipp

Dormy Inn Premium Shibuya-jingumae. Super Lage, sauber und geräumig. Wir blieben gleich zwei Mal in diesem Hotel und waren äusserst zufrieden.

Things to do in Tokyo

Am Automaten Essen bestellen

Nach der langen Reise hatten wir einen Bärenhunger. Ich hatte bereits von diesen Automaten gehört, also machten wir uns auf die Suche nach einem. Ein guter Entscheid, schliesslich war es schon nach 21 Uhr und du musst wissen, die Japaner essen tendenziell früh. Um diese (späte) Uhrzeit gibt es also praktisch nur noch die Automaten-Restaurants. Natürlich verstanden wir kein Wort, aber die Bilder schaffen gute Abhilfe. Wir bestellten eine Ramensuppe mit extra Reis und einem Bier und stellten fest, dass wir uns dabei wie Einheimische verhalten hatten. Denn unsere Sitznachbarn hatten genau dasselbe Menü auf dem Tresen stehen. Super lecker, super günstig, super Erlebnis!

Automaten
Ramen

Frühmorgens auf den Fischmarkt gehen (und Sushi essen)

Früher konnte man bereits um 4 Uhr morgens auf den Tsukiji Fish Market gehen und die Tuna-Auktion mitverfolgen. Die traditionsbewussten Japaner störten sich aber am zunehmenden Tourismus und schafften diese Möglichkeit ab. So wie ich gehört habe, ist der Fischmarkt nun sogar an einen anderen Standort verlegt worden. Ich hoffe sehr, dass er aber immer noch so viel Charme hat, wie damals. Wir beschlossen das Hotelfrühstück sausen zu lassen und machten uns auf den Weg zum Markt. Hunger machte sich längst breit, denn hier wimmelte es nur so von Leckereien, allem voran natürlich an frischem Fisch. Wenn du jetzt denkst «iiih, Fisch zum Frühstück», ja, daran wirst du dich gewöhnen müssen, ist hier an der Tagesordnung. Wer aber frischen Fisch kennt, der weiss, dass dieser eben nicht stinkt. Wir liessen uns auf keinen Touristenschuppen ein und begaben uns in die dunkelsten Seitengassen, in der Hoffnung das beste Sushi-Frühstück zu finden. Und das haben wir hier in der Tat (obschon Marc ziemlich skeptisch war, als ich ihn in die Gasse zog) entdeckt. Ein richtiges japanisches Fisch-Frühstück wird von einem leckeren Bier begleitet. Der Fisch ist butterzart, aber sehr dick geschnitten. Je fetthaltiger der Fisch, desto besser. Für mich ein neuartiges Geschmackserlebnis, mit dem ich zuerst warm werden musste. Besonders das Seeigel-Suhsi bekam mir nicht und musste ich mit einem grossen Schluck Bier runterwürgen. 

Alles in allem war der Fischmarkt für mich eines der Highlights. Ich hätte hier stundenlang flanieren und die Menschen beobachten können. So viele kulinarische Neuheiten, die Messerkünste und die vielen spannenden Gerüche – nicht entgehen lassen!

 

Essen, essen, essen…

Wenn wir schon dabei sind: in Japan musst du einfach gerne essen. Wer Vegi oder vegan ist, der wird es allerdings etwas schwer haben (nicht unmöglich). Denn der Begriff «vegetarisch» ist für Japaner ein sehr weit gefasster. Bestellst du eine vegetarische Suppe, so kann es trotzdem vorkommen, dass die Brühe auf Fleischbasis ist. Ansonsten heisst die Devise: ausprobieren! Wir hatten das Glück mit Einheimischen essen zu gehen und so ein unscheinbares Restaurant mitten in einem Wohnviertel zu entdecken.

Restaurant

Keine Sorge in Japan gibt es mehr als nur Sushi. Nebst dem leckersten Kobe-Beef in Kobe selbst, assen wir sehr viele westliche Speisen wie Burger und Spaghetti, gönnten uns regelmässig einen leckeren Eiskaffee oder einen frischen Salat. Alles ist möglich.

Wie bereits erwähnt, kann Japan nicht nur Sushi. Wir haben weitere Landesspezialitäten ausprobiert. Sehr lecker, aber vor Fett triefend: Okonomiyaki im Restaurant GottsuiIch muss dazu sagen, dass mein Magen diese Speise nicht gut vertragen hat. Dafür war Marcs Magen umso robuster. Er kürte das Gemisch zu seinem Leibgericht. Die Grundzutaten sind eigentlich recht gesund: viel Gemüse, insbesondere Kohl. Mit Mehl gemischt wird es zu einer Art Pfannkuchen, der auf einer heissen Platte beidseitig angebraten wird. Zum Schluss wird eine gefühlte Tonne Mayonnaise und Sojasosse drüber gekleckert. Eine Kalorienbombe, die aber wirklich sehr lecker schmeckt.

Das Nachtleben auskosten: Karaoke, Bars und Robot-Show

Karaoke, is‘ ja klar. Schliesslich sind wir hier im Mekka dieser Selfie-Show. Was uns überraschte: wie viel Spass es uns wirklich bereitete! Am ersten Abend begaben wir uns zu zweit in eine Karaoke-Kabine und kosteten das «all you can drink» Angebot aus. Denn anders, als es wir in der Schweiz kennen, findet Karaoke nicht auf der grossen Bühne statt, sondern in privaten Kabinen. Dabei trinkt man billigen Alkohol bis zum geht nicht mehr. Der zweite Anlauf war dann auch in einer Gruppe, der wir uns in Shinjunku angeschlossen hatten. Da sassen wir in der zusammengewürfelten Truppe, tranken Gin Tonic und sangen Poplieder bis in die frühen Morgenstunden. Unvergesslich, auch der morgen danach, da begegnet man nämlich einigen lustigen Gestalten.

Karaoke

Eine Bar, die du unbedingt besuchen musst: Trench. Hier genossen wir die besten Cocktails unserer Reise. Japan ist sowieso ein Mekka für Mixology-Liebhaber. Beim nächsten Japan-Trip werden wir ganz bestimmt noch mehr Bars aufsuchen.

Trench

Wenn in Tokio, dann musst du so richtig merkwürdige Dinge ausprobiert haben. Wie begaben uns also in das Robot-Restaurant, allerdings nur für die Show und waren begeistert. Tolle Stimmen, Musiker und eine Inszenierung auf kleinstem Raum aber mit grösstem Effekt. Lachfaktor hoch zehn – die Japaner spinnen tatsächlich!

Robot-Restaurant

Tipp: In die Kategorie «merkwürdig» fällt übrigens auch unser Maid-Café-Besuch. Frag nicht, lass dich einfach drauf ein.

U-Bahn fahren und Odaiba besuchen

Sicherlich kennst du die Bilder: eine Menschenmasse zwängt sich in die U-Bahn von Tokio. Dieses Szenario haben wir aber tatsächlich nie miterlebt. Okay, lag vielleicht daran, dass wir zu Rushhour-Zeiten noch im Bett lagen. Wir hatten fast immer reichlich Platz und somit auch Zeit und Möglichkeit das Treiben in dem Transportmittel zu beobachten. Verrückte Kleidungsstile, unbeschwerte Schuldmädchen, betrunkene, schlafende und konzentrierte Japaner. Gespräche oder Telefonate sind verpönt, dafür wird die U-Bahn zum Schlafwaggon umfunktioniert. Wer es nicht mag unterirdisch zu fahren, der kann sich natürlich auch ein links fahrendes Taxi leisten. Besonderes Merkmal: die Türen öffnen sich von selbst und die Taxichauffeure sind stets gut gekleidet. Dass sich so eine Fahrt auch lohnt, merkst du spätestens dann, wenn dir lustige Fahrzeuge begegnen, wie der kleinste Feuerwehrwagen der Welt.

Nicht unerwähnt lassen möchte ich den Ausflug nach Odaiba, der künstlichen Insel in der Bucht von Tokio. Hier findet man ein grosses Einkaufszentrum, architektonisch eindrückliche Gebäude sowie diese grosse Gundam-Mobile-Suits-Nachbildung, welche Marcs Herz höher schlagen liess.

Die Architektur bewundern

Wer in Tokio nur Zeit in Gebäuden verbringt, der verpasst etwas. Die Architektur ist vielfältig und je nach Bezirk anders. Das traditionelle Japan trifft hier auf das moderne und wiederum auf europäische und amerikanische Einflüsse. Teilweise fühlte ich mich in mitten von Hochhäusern wie in meiner Heimatstadt Bogotá, San Francisco, Miami oder Skandinavien. Augen auf für die Schönheit dieser Stadt!

 

Shopping bis zum Umfallen

Tokio hat mich in den Ruin getrieben. Die Grenze von 30kg Gepäck haben wir beide bis zum Maximum genutzt und mussten tatsächlich noch einen kleinen Koffer dazu kaufen. Diese Stadt ist ein Shopping-Paradies, für Männer und Frauen gleichermassen. Während Marc seine Garderobe erweiterte, füllte ich meinen Koffer mit Einrichtungsaccessoires, Papier und Schuhen. Besonders französische und skandinavische Marken sind in Tokio zu finden, aber natürlich auch allerlei Buntes und Verrücktes, eben so, wie es Manga-Girls am liebsten mögen. Meine liebsten Shopping-Bezirke: Jingumae, Shibuya, Harajuku.

Diese Stores darfst du dir nicht entgehen lassen:

  • Tokyu Hands: Ein Departmentstore, in dem du einfach alles findest. Und wenn ich alles sage, dann mein ich das genau so.
  • Mandrake: Ein riesiger Comic- und Spielwarenladen.
  • XXX: Der 7-stöckige Sexshop voller Skurrilitäten.
  • Shibuya 109: Gibt es gleich zweimal. Einmal für Frauen und einmal für Männer. Ein endloses Shoppingcenter für japanische Mode.
  • Loft: Ebenfalls auf sieben Stockwerken. Kleidung, Papeterie, Möbel …

Kawaii!!!

Tourist sein

Natürlich gibt es einige Must-sees in Tokio. So zum Beispiel der Ueno Park und der dazugehörige Zoo. Aber auch den Yoyogi-Park solltest du dir ansehen und der sich darin befindende Meiji-Schrein. Ein toller Spaziergang! Möchtest du gleich mit diesen Sehenswürdigkeiten fortfahren, dann empfehle ich dir den Ausflug zum Sensoji-Tempel, besonders für Mitbringsel ist diese Touristenattraktion einen Besuch wert. Leider haben wir keinen Abstecher zum Kaiserpalast gemacht, da dieser geschlossen hatte. Beim nächsten Mal ein Muss!

Wiederkommen!

Wie du bemerken konntest, ist dieser Reisebericht etwas länger als üblich. Es gäbe noch so vieles über Tokio zu sagen und in der Stadt zu entdecken! Ich weiss, dass es nicht mein letzter Besuch gewesen sein wird, denn wir haben zwar echt viel in kurzer Zeit gesehen und doch nur einen Bruchteil. Tokio, wir sehen uns wieder!

sō desu ne

Hier findest du alle weiteren Japan-Reiseberichte:
Japan Part 1: Die Reisevorbereitung
Japan Part 2: Kyoto
Japan Part 3: Naoshima
Japan Part 4: Ōsaka, Nara & Kōbe

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