Na los, kritisier mich!

Kritik
Liebe Eve

Der Umgang mit Kritik ist ein schwieriges aber dafür umso interessanteres Thema. Mit Kritik kommt man auf zweierlei Arten in Kontakt: Entweder man kritisiert oder man wird kritisiert. Man nimmt also entweder eine aktive oder eine passive Rolle ein – und beide Seiten sind nicht immer angenehm.

Es liegt grundsätzlich in der Natur von Beziehungen, egal ob auf der Arbeit oder im Privatleben, dass unterschiedliche Ansichten und Denkweisen aufeinandertreffen. Das alleine ergibt bereits genügend Raum für Meinungsverschiedenheiten, unterschiedliche Massstäbe und verschiedene persönliche Beurteilungen. Die idealen Voraussetzungen für Kritik.

Kritik ist eine prüfende Einschätzung und Äusserung in Worten.

Sie ist manchmal konstruktiv, sachlich, hart, verletzend, scharf, harsch, destruktiv, ungerechtfertigt, zielführend oder deutlich. Aber insbesondere ist sie sehr subjektiv. Und so habe ich mich selbst gefragt: Wie kritikfähig bin ich eigentlich?

Das Ausüben von Kritik

Das aktive Ausüben von Kritik fällt zwar nicht immer einfach, ist aber die wesentlich angenehmere Rolle. Vielfach merken wir nicht einmal, dass wir andere kritisieren oder sie an unseren eigenen Massstäben messen. Freunde, Partner, Bekannte oder Arbeitskollegen, sie alle sind unseren Bewertungen ausgesetzt und kommen dabei nicht immer nur gut weg.

Von Toleranz liest man viel und überall, doch wie tolerant sind wir wirklich? Auch beispielsweise zum eigenen «Ich»?

Dass ich selbst einen Hang zum Perfektionismus habe und mir eine hohe Messlatte setze, ist nichts Neues. Darüber hinaus mag ich es, mein Wissen zu teilen und helfe gerne, wo Hilfe benötigt wird. Wie ich allerdings auch schon feststellen musste, wird mein Verhalten hin und wieder auch als eine Art Kritik aufgefasst. Diesen Umstand bemerke ich an trotzigen Reaktionen oder einem simplen Stillschweigen. Daraus habe ich gelernt, dass mein eigener Massstab nicht für andere gelten und kritische Beurteilungen am besten nicht schriftlich kommuniziert werden sollten. All diese Dinge sind allerdings eng damit verknüpft, Kontrolle abgeben zu können. Und daran arbeite ich momentan.

Destruktive Kritik hingegen bringt niemanden weiter: Es macht die Freunde nicht verlässlicher, den Partner nicht zu einem perfekteren Menschen und dich selbst ganz sicher nie glücklich. Anstelle einer vernichtenden Kritik sollten es vielmehr Denkanstösse und Hilfestellungen sein, die du dir und anderen weitergibst.

Man wird nicht dadurch besser, indem man andere schlechtmacht.

Der Umgang mit Kritik

Kritisiert zu werden, ist nie einfach. Vielfach heisst das, dass jemand anders die eigene Leistung als «nicht gut genug» bewertet und man somit ein Ziel nicht erreicht hat.

Für dumme Entscheidungen oder Handlungen müssen wir uns den Konsequenzen bewusst sein und der darauf folgenden Kritik stellen. Dies zu akzeptieren fällt uns irgendwie einfacher, denn Fehler machen wir schliesslich alle – ob beabsichtigt oder nicht. Viel schwieriger fällt es uns jedoch kritisiert zu werden, wenn man das Bestmöglichste gegeben hat.

Mehr ging nicht, aber es hat nicht gereicht. Ziel verfehlt.

Das fühlt sich an, wie eine kalte Wasserdusche – kann entmutigen, dich ärgern, verletzten und sogar demotivieren. Denn genau dann setzt die Selbstkritik wieder ein.

Nur eine Handvoll Personen aus meinem engsten Umfeld kritisieren mich so, dass ich daraus etwas mitnehmen kann. Sie machen das auf sehr unterschiedliche Art und Weise: in mütterlich mahnender Art, in väterlich schonungsloser Direktheit, in schwesterlich unterstützender Hilfestellung oder in freundschaftlicher Ermutigung – aber vor allem immer in liebevoller Erwähnung der (harten) Tatsachen.

Meine Art darauf zu reagieren ist ebenso vielfältig: von schneller Einsicht bis hin zu sturen Gegenargumenten. Vielfach brauche ich eine Minute oder auch zwei, um zu erkennen, dass sie (natürlich) recht haben.

Das Einstecken von Kritik ist ebenso schwierig, wie den eigenen Ansprüchen zu genügen. Zwei Bereiche, in denen man sich lebenslang weiterentwickeln und dazulernen muss. Der Anfang ist vielfach schon getan, wenn man erkennt, dass diese nicht immer negativ gemeint ist und erfahrene Kritik immer noch besser ist als gar keine. Denn das heisst ja, dass man etwas gesagt, etwas getan und gewagt hat. In diesem Sinne: Na los, kritisier mich!

Frohe Grüsse nach Bern,
Fab
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