Let’s dance!

Dance
Quelle: Rosas in Bartok/Mikrokosmos ©Herman Sorgeloos
Liebste Fab

Wann haben wir eigentlich aufgehört mit dem Tanzen? Ich meine so richtig miteinander tanzen, nicht dieses peinlich berührte Rumgehopse, wo jeder so gut wie nur möglich dabei aussehen möchte. Auch ich bin davon betroffen. Hauptsache zum Takt bewegen, niemandem auf die Füsse treten, etwas gelangweilt auf die Tanzfläche schauen – keep it cool, baby. Steigt der Alkoholpegel, sinkt die Schamgrenze. Vorhang auf für alle Twerker (ist das überhaupt ein Wort?), schliesslich sind wir ja alle mit einem Kardashian-Arsch gesegnet.

Ernsthaft. Vielleicht liegt es daran, dass ich nun schon auf Ü30-Partys gehen sollte. Doch ich befürchte, dass es da auch nicht rosiger aussieht. Wir sind ja schliesslich schon zu alt, um bis in die frühen Morgenstunden zu tanzen. Ausser die lieben 90er werden aufgelegt, dann sind wir gleich alle wieder 12 Jahre alt, durchleben unsere erste Kellerdisco zu «Can’t touch this» und bewegen uns wie MC Hammer persönlich.

Ein nettes Beispiel für die Clubszene von heute. Natürlich in schön.

Chum, mir göh z’Tanz!

So würde es mein Vater an dieser Stelle kommentieren. Heisst nichts anderes als: Früher verabredete man sich, mit der Absicht tanzen zu gehen. Ich weiss ja nicht, wie es dir ergeht, aber ich wurde schon sehr lange nicht mehr um einen Tanz gebeten. Ausgeschlossen seien jetzt alle, die regelmässig Salsa, Tango oder wie sie alle heissen, tanzen. Ihr seid nicht damit gemeint. Ich frage mich eher: Wohin sind die Nachtclubs wie das berühmte «Studio 54» oder die TV-Sendungen wie «Soultrain» hin? Müssen wir uns tatsächlich mit der Cervelat-Prominenz beim RTL-Format «Let’s Dance» begnügen, um noch etwas Tanzzauber erwischen zu können? Das Interesse scheint ja hoch zu sein, sonst würde dies ja nicht mehr gesendet werden. Doch statt sich selbst zu bewegen, sitzen wir alle da und lassen uns berieseln. Wie traurig. Schliesslich haben uns unzählige grosse Liebesfilme bewiesen, dass die Liebe oftmals beim Tanzen entsteht: Dirty Dancing, Grease, Salsa (mein Favorit übrigens)… oder Pulp Fiction. Mindestens einmal pro Wochenende wird wohl die berühmteste Tanzszene durch den Kakao gezogen. Davon bin ich überzeugt.

Manchmal wünschte ich mir eine Zeitmaschine. Jedes Wochenende ein anderes Jahrzehnt besuchen zu können, die Gruppentänze zu kennen und insbesondere in der Disco-Zeit der 70er-Jahre zu Donna Summer einen Glitzerfummel so richtig funkeln zu lassen. «Night Fever», das fehlt mir.

Ein Ort, an dem es keine Rolle spielt, wie du beim Tanzen aussiehst und es nur darauf ankommt Spass zu haben. Auch ausserhalb der eigenen vier Wände.


Let’s dance! Herzgruss von Bern nach Zürich,
Eve
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