Mut haben

Ballerina
Quelle: pointe by Tyler Shields
Liebste Eve

Eigentlich wollte ich an dieser Stelle auf meinen Januar zurückblicken und dir von meinen gelungenen Neuanfängen berichten. Zugegeben, ich wollte mir selbst auf die Schultern klopfen, wie ich die Dinge angepackt habe, mit denen ich viel zu lange haderte. Nur erscheint mir jetzt die Rückschau irgendwie so falsch, denn ich will doch nach vorne schauen. Wie könnte ich mich bereits nach dem ersten Monat loben, wenn dies alles eigentlich zu einem Dauerzustand werden sollte?

Franz Kafka hätte es nicht treffender für mich ausdrücken können:

Wege entstehen dadurch, dass man sie geht.

Es hat sich einiges verändert im Januar. Obwohl (oder gerade deswegen?) ich den bitterkalten Januar hauptsächlich aus meinem weissen Königreich, meinem Bett, gemanagt habe. Endlich habe ich mich getraut, mein Haar platinblond zu färben. Ein persönlicher Befreiungsschlag. Gleichzeitig war dies auch eine tägliche Erinnerungsstütze dafür, dass ich für meine eigenen Interessen einzustehen habe, und resultierende Konsequenzen nicht so stark zu fürchten brauche. Ausserdem sieht es auch noch wunderbar nordisch aus.  Mein Wasserhaushalt wird auch endlich auf Vordermann gebracht, denn ich führe mir täglich mithilfe einer App vor Augen, wie wenig ich trinke. Ein erstes Dankeschön an die Digitalisierung. Weiter bringe ich mich dank einer anderen Tracking-App tatsächlich dazu, die Joggingschuhe zu schnüren und einige Kilometer abzuspulen. Wer hätte das gedacht? Ich wahrscheinlich am wenigsten. Dem täglichen Kochen habe ich mich mittlerweile so verschrieben, dass ich Nadia Damaso bald bitten muss, ein neues Kochbuch herauszubringen. Aber was hat das alles für einen Wert, wenn ich mich nach nur einem Monat selbst bejuble und dann alles im Februar still und leise wieder begraben würde? Genau gar nichts. Der Blick muss weiter nach vorne gerichtet sein.

Ich das Gewohnheitstier?

Täglich aufs Neue bemerke ich: sich weiterentwickeln braucht Mut. Einen Weg einzuschlagen, der ungewiss und anders als der Alltagstrott ist, bringt Angstgefühle mit sich. Tag für Tag muss ich mich daran erinnern, nicht in alte Verhaltensmuster zurückzufallen. Es gelingt mir nicht immer. Es fällt mir dummerweise viel einfacher, mich in gewohnten Routinen zu bewegen. Leider gilt das für sämtliche Bereiche des Lebens. Meist bin ich dann stinksauer und noch viel schlimmer, masslos enttäuscht. Von mir selbst.

There is nothing in nature that blooms all year long, so don’t expect yourself to do so either.

Konstant gut gelaunt, das bin ich nicht mehr. Ich habe gute und schlechte Tage, und wenn das andere für komisch befinden, muss mir das egal sein. Denn mittlerweile ist ein trüber Tag für mich genauso anspornend und inspirierend, wie ein erfreulicher.

Ich habe eingesehen, dass mir das Loslassen unendlich schwerfällt und ich mich gleichzeitig auch wahnsinnig gut austricksen kann. Kleine Ausnahmen werden plötzlich zur Regel – darin bin ich königlich. Die eigene Selbstkasteiung, wenn ich etwas gemacht oder eben unterlassen habe, ist auch eine Verhaltensweise, die ich mir lieber heute als morgen abgewöhne.

Zwei Schritte nach vorne – einer zurück

Sich zu verändern, heisst allerdings auch Neues auszuprobieren und wieder zu verwerfen. Nur weil ich mich an das Neue wage und selbst auferlegte Hürden meistere, heisst das aber nicht, dass das Prädikat «neu» in jedem Fall besser ist. Ich habe beispielsweise feststellen müssen, dass Poweryoga meinen Handgelenken Schmerzen zufügt. Obwohl ich mich Kopf voran und mit voller Leidenschaft (ich sage nur Training um 22 Uhr) in diese neuen Bewegungsabläufe gestürzt habe, verwerfe ich das wieder. Lieber suche ich nach einer neuen Bewegungsform, welche zwar meine Körpermitte stärkt, aber meine Handgelenke schont.

Am Ende bereust du nicht was du getan hast, sondern nur was du nicht getan hast.

Liebste Grüsse nach Bern
Fab
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