Narcos

Narcos
Quelle: Netflix

Seit meinem letzten Serienjunkies-Beitrag hat sich einiges getan. Ich habe «how to get away with murder» bereits bis zur aktuellsten Folge durchgeschaut. Sucht hoch zehn! Und mich dann nach langem Zögern hinreissen lassen der Netflix Serie «Narcos» eine Chance zu geben. Ja, das ist mir in der Tat nicht leicht gefallen, handelt es sich hier um mein ursprüngliches Heimatland und eine Nationalfigur, die viele Mythen, Fragen und Theorien aufwirft.

Ich muss dennoch zugeben: Bislang hatte ich mich mit dem kolumbianischen Drogenbaron Pablo Escobar wenig auseinandergesetzt. Ich kannte also nur ein paar Mythengeschichten. Natürlich fiel mir bei meinem letzten Medellín-Besuch auf, wie viele Statuen, Malereien und Bücher es über ihn gibt. Für viele ist er bis heute ein Nationalheld, der einfach missverstanden wurde. Andere sehen das Ganze pragmatischer und nennen es beim Wort: ein Krimineller.

Aber fangen wir von vorne an.

Plata o Plomo

Die Handlung

Wie es der Name bereits beschreibt, geht es bei «Narcos» um Narcotraficantes, also um Drogenhändler. Aber eben nicht um irgendwelche. Nein, der Drogengott höchstpersönlich: Pablo Escobar und das Medellín-Kartell (genauer: Pablo Emilio Escobar Gaviria, auch „El Doctor“, „El Patrón“ oder „Don Pablo“ gennant) ist die zentrale Figur, um die sich die ganze Serie dreht. Wir bewegen uns also im Zeitraum von 1979 bis 1992 in Kolumbien. Damals war es ein leichtes Spiel Tonnen von Kokain zu schmuggeln. Weder Flugzeuge noch Piloten wurden kontrolliert – ein Paradies für alle Schmuggler. Gegenpart der Serie spielen „los Gringos“, die furchtlose DEA, die guten Buben, die Kolumbien aus den Fängen des Schlächters Escobar befreien möchte. Dass dieser Krieg in einer Art Bürgerkrieg ausartete, bei dem mehrere Zivilisten ums Leben kamen, wird zum ersten Mal thematisiert und ans Licht gebracht.

Kurzum: Es geht um das typische Katz-und-Maus-Spiel, um Aufstieg und Niedergang – um Gut und Böse. Und um Geld. Um viel Geld!

Kritik vs. Potential

Als ich von der neuen Sensationsserie gehört habe, habe ich natürlich sogleich recherchiert. Und was ich dabei herausgefunden habe, ist mir etwas sauer aufgestossen. Der Hauptdarsteller, Wagner Moura, ist ein Brasilianer! Wer in der Schule aufgepasst hat, weiss, dass Brasilianer nicht die gleiche Sprache sprechen, wie wir Kolumbianer (und nein, wir sprechen übrigens NICHT Kolumbianisch. Wir sprechen das schönste Spanisch!). Ja, wir sind ein sehr stolzes Volk und lieben unser Land. Daher lieben wir auch unsere Muttersprache und unseren Dialekt. Es war mir also sofort klar, dass es schwierig werden würde ihm diese Rolle abzunehmen. Recht sollte ich behalten. Obschon er sich verdammt ins Zeug legt und die Drehbuchautoren gut recherchiert haben (typisch kolumbianische Ausdrücke werden rege benutzt), hört man ihm an, dass er kein Kolumbianer ist.

Was mir allerdings sogleich positiv auffiel ist, dass die Serie ein Gemisch aus realen und fiktiven Begebenheiten zu erzählen versucht. Oftmals werden originale Zeitungs- und TV-Berichtsausschnitte von damals gezeigt, vieles wird aber auch der Dramaturgie wegen überspitzt dargestellt. Die Schauspielergarde ist aber auf alle Fälle wirklich zu loben. Abgesehen von den sprachlichen Barrieren (es spielt kaum ein waschechter Kolumbianer mit) spielen die Hauptdarsteller ihre Rollen glanzvoll. Allen voran Wagner Moura, der Pablo charakterlich wohl sehr gut zu treffen vermag.

Suchthaufen

Ich war damals zu klein, um Pablo Escobar im Gedächtnis verankert zu haben. Damit ich mehr in Erfahrungen bringe, habe ich meiner Mutter darauf angesprochen. Und siehe da: Meine Eltern kannten Escobar persönlich. Der „gute“ Pablo war nämlich Stammgast in unserem Restaurant in Bogotá. Kopfkino an. Es war in der Tat so, wie es die Serie wiedergibt. Die gesamte Entourage folgte, Pablo durfte ins Separee (schliesslich durften die anderen Gäste die gefälschten Pässe nicht sehen), speiste gut, wechselte freundliche Worte mit meinem Vater und hinterliess immer ein dickes Trinkgeld.

Pablo wurde von allen Seiten bewundert und geliebt. Aber Liebe birgt in sich zuweilen auch Hass. Und der hinterliess deutliche Spuren.

Alles in allem, hat mich die Serie nachdenklich gestimmt. Ich möchte nun mehr erfahren über meine Heimat, meine Wurzeln und die Faszination Escobar. Eine polarisierende Persönlichkeit, die gegensätzlicher nicht sein konnte. Und obwohl wir alle wissen, wie die Geschichte ausgeht: Escobar macht süchtig und jetzt warte ich gespannt auf Staffel Nr. 2.

Prädikat. Sehenswert!

The Purpose of War is Peace

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