Nein-Sagerin

Nein-Sagerin
Liebste Eve

Irgendwie passend zur aktuellen politischen Abstimmungs-Situation in der Schweiz: Offensichtlich transformiere ich mich gerade zur Nein-Sagerin. Und das ist gut so.

Nein zu allen anderen. Ja zu mir.

Warum fällt es so vielen Menschen schwer, Nein zu sagen? Warum fällt es mir selbst so unendlich schwer? Warum ist der Drang «everybody’s darling» sein zu wollen, so stark vorhanden?

Natürlich, es ist ein schönes Gefühl, von allen Seiten gebraucht zu werden. Aber muss ich dafür immer und überall zusagen und alles akzeptieren? Verleugne ich mich damit nicht eigentlich ein Stück weit selbst?

Mein Übername «kleiner Sonnenschein» schmeichelt mir und ich gebe hier an dieser Stelle unumwunden zu, ich mag dieses Kompliment. Ich finde es gut, wenn mich andere Personen so sehen. Denn das bin ich. Ich bin eine Frohnatur, lache gerne und eine gewisse Selbstironie erdet mich. Aber wenn wir hier gerade Klartext reden, es gibt Tage, da scheint mir die Sonne nicht zum Arsch heraus und das merken auch meine Mitmenschen. Sie sind dann meistens irritiert und ich bekomme Folgendes zu hören: «Wo bleibt dein Lachen? Deine Laune ist ja auf dem Tiefpunkt!»

The Charade

Früher hätte ich mich für die anderen zusammengerissen oder gekonnt verstellt. Ich wollte es immer allen recht machen, quetschte jede Anfrage in meinen Terminkalender und war eigentlich konstant nur unterwegs.

Ich bin von A nach B und eben Z gependelt und habe zu allem Ja gesagt. Nur zu mir selbst, da habe ich Nein gesagt.

Das habe ich nicht bewusst gemacht, aber ich habe mich in der langen Liste einfach stets hinten angestellt.

So richtig bewusst ist mir das erst geworden, als ich deine eigentlich einfache Frage «was möchtest du, in den nächsten fünf Jahren unbedingt erreicht haben?» nicht beantworten konnte. Ich, die normalerweise wenige Sekunden braucht, um eine Antwort zu formulieren. Ich, die nie um eine Antwort verlegen ist, sass da und konnte keinen klaren Gedanken fassen, geschweige denn formulieren.

What’s next?

Ich will… ja was will ich denn?

Möchte ich um die Welt reisen? Statt Projekte Kind und Kegel jonglieren? Vielleicht doch lieber die Karriere richtig lancieren? Oder welches allgemeingültige Klischee habe ich in meiner Aufzählung vergessen?

Ich habe keine Ahnung und je mehr ich darüber nachdenke, umso weniger will ich es wissen.

Ich packe die grossen Fragen weg und frage mich stattdessen lieber, was ich im Alltag möchte. Denn das kann ich dir blitzschnell beantworten:

Ich will…

… über blöde Witze lauthals lachen.

… in schwachen Minuten ein Trotzkopf sein.

… an einem schlechten Tagen von anderen aufgemuntert werden.

… zusammenhanglose Satzgebilde machen und trotzdem verstanden werden.

… in den ÖV das Lied in meinem Kopf laut summen – natürlich kreuzfalsch.

… kopflos den Tag beginnen, nur um Stunden später zu merken, dass planlos gar nicht cool ist.

… dummerweise an der falschen Haltestelle aussteigen, bei Minustemperaturen und leerem Magen und einfach darüber lachen können.

… strukturiert und chaotisch sein – ja der Mix macht es.

Eigentlich ist es ganz einfach: Ich will von anderen trotz oder gerade wegen meinen Fehlern gemocht werden und nicht, weil ich immer hilfsbereit bin.

Also sage ich heute mehr «Nein» – sowohl innerlich als auch laut heraus. Das steht mir nämlich zu. Normale Tage gehören genauso zum Lebensalltag wie gute. Alles konstant zu halten, ist irgendwie schrecklich langweilig. Wer ist schon 365 Tage guter Laune? Nein, auch der «ewige Sonnenschein» nicht.

Sei umarmt,
Fab
Written By
More from Fab

Pretty & Pure: Facials

Als ich die Tür hinter mir schliesse und die Sonne mir ins...
Read More

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.