Nerve

Nerve
Quelle: www.fandango.com

Die Abende werden dunkler und es zieht mich automatisch wieder ins Kino. Obwohl ich ja grosser Fan von Arthouse-Filmen bin, darf es hin und wieder auch ein Action-Hollywood Film wie «Nerve» sein.

Im Vorfeld war ich hin- und hergerissen: Ist der Film eine spannende Gesellschaftskritik, verpackt in einer schnellen, trashigen Art oder ein farbig kitschiger Hollywoodstreifen, der die Oberfläche eines brisanten Themas mit Nervenkitzel aufbauscht?

Die Story kurz zusammengefasst, hat eine einfache Botschaft: Ein weiblicher Underdog wagt sich über ihre Grenzen hinaus und gewinnt Anerkennung in Form von Klicks. Was bleibt am Schluss: digitaler Ruhm oder die eigene Persönlichkeit?

The Nerve: die Handlung

Das Online Game «Nerve» ist das Thema Nr. 1 in New York. Ein «Tat oder Wahrheit»-Spiel, ohne die passive Wahrheit. Die aktiven Teilnehmer, die sogenannten «Player» stellen sich gefährlichen oder unangenehmen Herausforderungen und gewinnen dafür Geld. Die zahlenden Zuschauer, die «Watcher», stimmen virtuell über neue Aufgaben ab. Die Player sind die neuen Helden und das nicht nur an der eigenen Highschool, sondern in der grossen virtuellen Welt.

Die zurückhaltende Schülerin Vee (Emma Roberts) entschliesst sich am illegalen Internet Game teilzunehmen – sozusagen als Befreiungsschlag. Die erste Herausforderung für sie: einen Fremden küssen. Ihre Wahl fällt auf den attraktiven Ian (Dave Franco), der sich später auch als «Nerve»-Wettkämpfer entpuppt. Die «Watcher» erfreuen sich am neuen Duo und schicken die beiden Jugendlichen fortan gemeinsam zu den Herausforderungen. Während die Aufgaben anfangs eher peinlich sind, werden sie von Stufe zu Stufe riskanter und lebensbedrohlicher. Bis die Spieler plötzlich nicht mehr freiwillig aussteigen können und die anonyme Masse über ihr Weiterkommen respektive Leben entscheidet.

Was bleibt?

Der Film ist kurzweilig, temporeich, wagt neue Perspektiven und optische Neuheiten. Er hat glanzvolle aber auch einige platte, ja gar vorhersehbare Momente. Es scheint, als ob ohne verzwickte Liebesgeschichte auch die digitale Zukunft nicht spannend genug ist. Die Musikauswahl ist nicht ganz so abwechslungsreich und neuartig wie die visuelle Umsetzung. Tiefpunkt folgt auf Höhepunkt und umgekehrt. Allerdings sind das meine einzigen zwei Kritikpunkte.

Abseits von visueller Ästhetik (bombastische Luftaufnahmen von der New Yorker Skyline) müsste man sich nach diesem Film inhaltlich folgende Gedanken machen: wie sehr ist der Film ein Abgleich der Realität? Wir geben immer mehr digitale Daten preis. Ein Online-Ich existiert neben unserer realen Identität in Form von Profilen und Accounts. Momentan jagen gar Millionen von Menschen virtuellen Kreaturen hinterher, YouTuber oder Gamer werden innert kürzester Zeit wie Superstars gefeiert und die anonyme Masse kritisiert Personen, ohne ihnen jemals begegnet zu sein. All dies ist fester Bestandteil des «Nerve»-Spiels.

Was früher als unmöglich und absurd galt, ist mittlerweile tatsächlich greifbar. Wann können Maschinen unsere Ängste und Schwächen einfach identifizieren und gegen uns einsetzen?

Mein Fazit: Der farbenfrohe, zeitgenössische Film beinhaltet gesellschaftskritische Fragen, mit denen man sich lieber früher als später auseinandersetzen sollte.

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