Petting Zoo

Petting Zoo
Quelle: berlin.de

Mit welchen Gefühlen und Problemen kämpft eine Jugendliche, die mitten im konservativen Texas mit 17 Jahren ungeplant schwanger wird?

Als ich letzte Woche zum ersten Mal die Preview dieses Filmes gesehen habe, hat mich der Trailer sogleich in seinen Bann gezogen. Das brisante Thema einer Teenagerschwangerschaft verpackt in einer träumerischen Bildsprache, umgesetzt von einer Amerikanerin, die an der Berliner Hochschule Film und Fernsehen studiert hat. Muss ich sehen!

Die texanische Regisseurin Micah Magees zeichnet in ihrem Film «Petting Zoo» das Bild einer hartnäckigen jungen Frau, die gleichzeitig naiver und planloser nicht sein könnte.

Erwachsenwerden – von heute auf morgen

Die 17-jährige Layla (Devon Keller) steht kurz vor dem High School Abschluss. Eine heranwachsende Frau, die in einer Vorstadt von San Antonio (Texas) dem kargen Leben mit Home-Partys und jugendlichem Übermut Schwung verleiht.

So erfolgreich sie alles in der Schule und im mühseligen Nebenjob meistert, so verloren ist sie nach dem strukturierten Tagesablauf: Layla ist stets mit Sack und Pack unterwegs, ihr Schlafplatz ist entweder bei der Grossmutter oder beim ambitionslosen Freund. Ein fixes Zuhause hat sie nicht. Ihre konservativen Eltern erscheinen erst auf der Bildfläche, als Layla ihre Unterschrift für die Abtreibung der ungeplanten Schwangerschaft benötigt. Die Eltern sind strikt dagegen und so schlägt Layla das hart erarbeitete College-Stipendium aus, mit dem Vorhaben das Kind mithilfe der betagten Grossmutter grosszuziehen.

Während der Schwangerschaft lernt Layla mit Schicksalsschlägen umzugehen, sich durchzusetzen und mit der Reaktion von Gleichaltrigen und deren Eltern umzugehen. Aber allem voran lernt sie, unbeirrt den eigenen Weg weiterzugehen. Egal was kommt.

Mein Fazit

Nach dem Ansehen des Trailers hatte ich einen dokumentarischen aber doch blumigen Film über Teenagerschwangerschaften erwartet. Meine Vorstellung war, dass der Film das klassische Familienbild zelebrieren würde und mit jeder Faser versucht, eine heile Welt zu präsentieren.

Gesehen habe ich dann allerdings eine junge Frau, die sich ohne nennenswerte familiäre Unterstützung, Tag für Tag durchkämpft und sich weder unterkriegen, noch den Traum nach dem eigenen kleinen Glück nehmen lässt. Leyla wird sprichwörtlich durchgeschüttelt und es folgt ein Schicksalsschlag auf den nächsten – manch Erwachsener wäre daran zerbrochen. Leyla hingegen nimmt auch die schlechten Ereignisse stoisch an und vergiesst im ganzen Film kaum Tränen. Sie kämpft sich von Situation zu Situation und zeigt sich dabei in vielen Szenen erwachsener, als alle Erwachsenen um sie herum.

Petting Zoo
Quelle: variety.com

Regisseurin Micah Magees, selbst aus San Antonio, zeigt die brutale Realität der texanischen Stadt mit der zweithöchsten Rate an Teenagerschwangerschaften der USA und all den Problemen des «White-Trash». Nichts wird beschönigt, was auch daran liegt, dass der Film einige Parallelen zu Micahs eigenem Leben aufweist.

Der Film spricht Gesellschaftsthemen an, die für uns alle schwierig sind: Geburt, Tod, Familienzusammenhalt und das Erwachsensein. All das, wird durch eine Person, nämlich durch die Protagonistin, verkörpert. Was vielleicht mit ein Grund ist, warum mir Leyla manchmal wie ein Roboter erscheint. Hin- und hergerissen zwischen den verschiedenen Welten, sucht sie ihren Platz und schaut niemals zurück sondern nur nach vorn. Sehr bemerkenswert aber irgendwie auch surreal.

Visuell bewegt sich der Film zwischen zwei Kontrasten: Zum einen wären da trostlose Trailerparks, ziellose Jugendliche ohne Zukunftsperspektive und der Konsum von Drogen, um allem zu entfliehen. Der typisch amerikanische Traum oder Familienidylle? Fehlanzeige. Zum anderen zeigt der Film auch die hingebungsvolle Liebe einer Grossmutter zu ihrer Enkelin, verträumte Naturszenerie und jugendliche Verliebtheit, welche den Alltag aufheitert und das Leid für kurze Zeit vergessen lässt.

Die Kamera zeigt Leyla oft aus nächster Nähe und projiziert damit ein überwältigendes Gefühl eines Mädchens, welches nicht an ihrem Leben zerbricht, sondern aus der einzigen Option, die sie hat das Beste macht.

Das filmische Porträt der jungen Frau lässt einen nachdenklich zurück. Nachdenklich insofern, ob man im eigenen Alltag Kleinigkeiten weniger dramatisieren und bei dargebotenen Optionen einfach zupacken sollte, ohne abzuwägen.

In einer Generation, die aufgrund der grossen Auswahlmöglichkeit handlungsunfähig wird, erscheint es fast so, dass die Anerkennung, keine Wahl zu haben, für die eigene Entwicklung hilfreicher ist.

Interessiert? Der Film läuft im Kino Houdini in Zürich und im Kino Rex in Bern.

Petting Zoo
Quelle: kickstarter.de
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