Traumtyp

Traumtyp
Liebste Fab,

Vor nicht allzu langer Zeit, habe ich doch tatsächlich mein geliebtes David Hasselhoff T-Shirt wiedergefunden. Ich habe mich reingezwängt und suhlte mich in alten Erinnerungen. David in Cowboy Montur und mein Bild auf seiner linken Brusttasche. Hach… wie einfach die Liebe mir als Kind vorkam. Gut, ich hatte auch zwei Eltern, die mir eine leidenschaftliche Liebe vorlebten, auch wenn es rückblickend doch ab und an sehr stürmisch zwischen den beiden hin und her ging, Tränen und deutliche Worte flossen, die Liebe meiner Eltern war eine der ganz grossen Sorte. Daher ist es auch nicht erstaunlich, dass ich mich stets nach einer solchen Liebe gesehnt habe.

David Hasselhoff

Mit ca. 4 Jahren war mir ganz klar: Evelyn Hasselhoff Schneider sollte ich eines Tages heissen. David war für mich der Inbegriff eines Traumtypen. Gross, sportlich, tolle Haare und Augen, ein umwerfendes Lächeln, dazu Musiker und wow, er besass das tollste Auto der Welt.

Ein richtiger Mann eben mit Haaren auf der Brust und einer lässigen Lederjacke!

Ich schmolz dahin und stellte mir vor, dass David seine Freiheit in der Schweiz suchen und mich finden würde. Als wir nach Spanien in die Ferien fuhren, da war ich erst knapp 5 oder 6 Jahre alt, sass ich die ganze Fahrt über weinend auf dem Rücksitz, weil ich ja jetzt alle Knight Rider Folgen im TV verpassen würde. David war mein erster richtiger Celebrity-Schwarm und ich finde ihn bis heute hinreissend – da kann kommen wer will, David ist und bleibt meine Nummer 1!

Man wird ja aber älter und David wollte seinen Weg nicht zu mir finden, also fand ich einen anderen Traumtypen, so wie wohl jedes Mädchen in diesem Alter, ich war da in etwa 12 Jahre alt. Er hiess Leonardo DiCaprio und entsprach eigentlich nicht meinem Beuteschema: Blond, schlaksig, blaue Augen, ein richtiges Bubi. Aber wie toll er doch in Jim Caroll den coolen Drogenabhängigen spielte und dann noch seine Rolle als Romeo. Schmacht… es war um mich geschehen. Mein Fantum ging so weit, dass meine Eltern mit mir nach L.A. flogen und wir tatsächlich vor Leos Haustüre standen. Leider wurden wir durch seine uns beschimpfende Mutter der Strasse verwiesen, und wie uns seine Nachbarin berichtete, hatten wir ihn um knapp 15 Minuten verpasst. Er hielt Wacker die Stellung an der Spitze meiner Top 5 Dreamboys, schliesslich kam später noch Titanic dazu. Du weisst ja… er, der Jack und ich seine Rose.

Unter den Top 5 durfte AJ von den Backstreet Boys, der Badboy in der Boygroup, keinesfalls fehlen. Ihn durfte ich dann auch tatsächlich mal treffen und anstelle mit ihm zu sprechen, so gratulierte ich seiner Mutter zu ihrem grossartigen Sohn. Ja, so war ich halt, höflich wie immer – die Mutter hatte ja schliesslich diesen Prachtkerl kreiert und ich wusste schon damals, dass man nett sein sollte zu seiner zukünftigen Schwiegermutter.

 

Zahlreiche Träumereien später entfernte ich mich von den Musikern hin zu den wahren Hollywood Stars. Ganz vorne dabei waren die Herzensbrecher Heath Ledger und Josh Hartnett. Ich muss zugeben, ein spitzbübisches und geheimnisvolles Lächeln hat mich noch immer angezogen. Und die beiden Herren waren Meister darin. Ach klar, und wer hats eigentlich erfunden? George Clooney! Ja, grosses Kino. Heute würde ich den George als Traum-Kumpel betiteln, denn ja Fab, leider ist der George schwul. Woher ich das weiss? Vertraue mir einfach, ich weiss das. Sicher.

 

Warum erzähle ich dir das alles eigentlich? Nun, jedes Mädchen macht wohl diese Phasen durch und träumt von ihrem Leben als Carrie mit ihrem ganz eigenen Mr. Big. Dem Traumtypen, der den eigenen Ansprüchen und Vorstellungen voll und ganz entspricht.

Die Realität sieht doch aber ganz anders aus.

Stell dir vor, wie langweilig es wäre, wenn der Typ nur das machen würde, was du dir wünschst? Keine Ecken und Kanten, keinen Grund zum Streiten und damit einhergehend keinen umwerfenden Versöhnungssex? Nö, im Grunde genommen wollen wir doch alle das Arschloch, das uns zum Heulen bringt. Und dann merkst du eines Tages, dass es das auch nicht sein kann.

Sex and the City

Ich will einen Typen, bei dem ich mich wohlfühlen kann, der mich zum Lachen bringt, im richtigen Moment auffängt und dann wieder locker lässt. Ein Traumtyp ist der, bei dem ich einfach mich selbst sein kann, der mich herausfordert und mich auch mal über meinen eigenen Schatten springen lässt. Einer, der kochen kann (ähä, klar!) und in seinem Leben für mindestens ein Interesse richtig leidenschaftlich brennt. Einer, der schweigen kann und im nächsten Moment den Ton angibt. Der Traumtyp ist schlichtweg derjenige, bei dem du es spürst, dass er es ist. Und keine Fata Morgana, die von Film- und Musikplakaten grinst. Er ist also ein Typ – kein Traum.

Allerdings solltest du David «The Hoff» das hier lesen, vergiss all diese Zeilen. Ich warte noch immer auf dich.

Herzgruss nach Zürich, Eve
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