Über Bewunderung und Unsicherheit

Bewunderung
©pictura.ch

Die Mütter dieses Landes haben sich nun also in zwei Lager geteilt. Es gibt diejenigen, die das Thema Frau mit Kind und Karriere befürworten, gutheissen, unterstützen und dann gibt es die anderen. Die tun das nicht.

Ich werde nun nicht über die Causa Buchli schreiben, das haben schon genug Leute getan. Und auch nicht über die steinzeitlich anmutende Arena-DebatteUnd vor allem:

Soll doch jede/r wie sie/er will.

Aber es ist eben gar nicht so einfach, so zu handeln, wie man es für richtig hält. Und dabei geht es nicht nur um das Arbeitspensum, dabei geht es um eigentlich alles. Insbesondere um Kindererziehung; bei diesem Thema sind ja alle Experten. Und dabei wird kaum je jemandem direkt gesagt, sie oder er würde es falsch machen, so wie sie oder er es täte. Ausser der armen Frau Buchli. Es wird vielmehr schön darauf geachtet, dass man es super macht, bzw. in erster Linie den anderen auch zeigt, wie super man das macht. Da wird auf allen möglichen Kanälen für das Stillen eingestanden – man will schliesslich das Beste für sein Kind. Da wird erzählt, so ganz persönlich möchte man schon nicht mehr als 40% arbeiten – man will schliesslich das Beste für sein Kind.

Aber Jessesgott, soll jede, wie sie es für richtig hält. Und über das ganze Kinderthema hinaus: Es wird öffentlich Sport getrieben und Rekorde geteilt– «Work-Life-Balance» und so. Die Fleischesser und Raucher propagieren ihre Genussmittel genauso wie die Veganer, Nichtraucher… ihren gesunden Lebensstil, plötzlich verzichtet man auf Zucker, auf Alkohol, auf Kaffee und hat sich noch nie so gut gefühlt. Und das sollen jetzt unbedingt alle erfahren, wie gut man das macht.

Hey Frauen (und ich schreibe bewusst die Frauen an, weil diese Art der Selbstpropaganda in der Regel von Frauen kommt), wisst ihr eigentlich, wie viel Druck ihr damit auf euer Umfeld ausübt?! Mir ist absolut klar, dass dies in erster Linie mit der eigenen Unsicherheit zusammenhängt. Ich gehe mal davon aus, dass die meisten Menschen sich regelmässig hinterfragen. Und dabei logischerweise Unsicherheiten auftauchen. Es ist ja nie alles zu 100% perfekt. Mein Kind macht keine Probleme in der Kita, aber zu Hause hat es Tobsuchtsanfälle. So stark, dass es sich dabei den Kopf auf den Boden schlägt und Beulen davon trägt.

So, ich kann mich nun also fragen, ob ich zu viel arbeite, ob ich zu früh mit Stillen aufgehört habe, ob das Kind zu viel Fleisch isst, oder Zucker. Und all diese Fragen stelle ich mir, weil die Menschen in meinem Umfeld ebenso unsicher sind wie ich. Und deshalb so bewundert werden möchten für das, was sie glauben richtig zu machen. Oder ich kann selbstbewusster werden. Ich kann daran glauben, dass es Dinge gibt, die gut laufen und andere, die eben nicht so funktionieren, wie man sich das vorgestellt hätte. Aber ich muss selbstbewusst genug sein, zu meinem Weg zu stehen.

Erst wenn wir zu uns und unseren Entscheidungen stehen können, sind wir nicht mehr auf die Bewunderung anderer angewiesen. Und schüren damit nicht weiterhin die Unsicherheiten, die so grossen Schaden verursachen können.

Arbeiten wir, soviel wir möchten, treiben wir Sport, verzichten wir auf alles, was uns nicht gut tut und geniessen das andere. Aber tun wir es für uns. Seien wir uns genug. Und seien wir damit eine gute Mutter. Auch für andere Mütter.

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2 Comments

  • Wichtiges Thema! Ich teile deine Meinung, dass alle es möglichst so handhaben sollen, wie sie wollen. Das Problem ist aber, dass viele nicht so KÖNNEN, wie sie wollen. Sei es, weil es finanziell nicht möglich ist, zu reduzieren, weil es gesellschaftlich nicht akzeptiert wird, als Mutter 100% zu arbeiten, oder weil der Arbeitgeber keine Reduktion zulässt, etc. Deshalb finde ich es falsch, den Frauen einen Vorwurf zu machen, sie übten mit der Debatte über Familienmodelle Druck aus. (Vielleicht verstehe ich dich auch falsch?) Mich dünkt viel eher, es bräuchte noch viel mehr Diskussionen! Und zwar von Müttern UND Vätern! Nicht andere schlechtmachen, nicht angeben, aber Debatten über Möglichkeiten, über funktionierende Lösungen, über politischen Handlungsbedarf. Und vor allem: Gern auch positive Beispiele und gute Vorbilder – im Sinne von Inspiration.

  • Oh ja, die Debatte braucht es, ich möchte z. B. nicht, dass meine Tochter eines Tages wenn sie mal Kinder hat – falls sie hal Kinder hat – sagen muss, es sei gesellschaftlich nicht akzeptiert, als Mutter zu 100% zu arbeiten oder der Arbeitgeber lasse es nicht zu, das Arbeitspensum zu reduzieren oder die Kita sei zu teuer (zumindest hier wurde gerade wieder mal ein Zeichen gesetzt http://mobile2.derbund.ch/articles/576bd341ab5c374817000001).

    Wir sollten uns aber nicht verunsichern lassen von den Unsicherheiten der anderen.

    Wir fragen uns alle, ob wir das Richtige tun. Und manchmal tun wir das Falsche. Aber wir wollen alle immer nur das Beste. Also vertrauen wir in uns und unseren Weg. Wir machen das genau richtig, so wie wir es machen.

    Mit so viel Selbstvertrauen können wir einander auch in Ruhe lassen. Denn jeder Weg ist der Richtige.

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