Von Schwiegermüttern

Von Schwiegermüttern
©Ryan McGuire

Ich bin nicht verheiratet, aber die Mutter meines Freundes ist doch irgendwie meine Schwiegermutter, einen anderen Ausdruck gibt es dafür ja nicht. Diese kann das übrigens überhaupt nicht verstehen. Dass wir nicht verheiratet sind. Sie glaubt, eine Frau müsse sich eben absichern. Mit der Ehe. Ich verdiene mein eigenes Geld und trage den gleichen Teil zu unserer Familie bei, wie mein Freund. Finanziell und auch sonst. Ich kann sowohl staubsaugen (darauf komme ich nochmals zurück), als auch Löcher in die Wand bohren und das Auto selber zum Radwechsel in die Werkstatt bringen. Und ich weiss, wie man eine Steckdose montiert – mein Vater ist Elektriker und ich wollte, dass er auch mal stolz auf mich ist, aber das ist eigentlich eine andere Geschichte. Ich kann also für mich selber sorgen. Und wenn es denn nötig sein sollte, auch für unsere Tochter.

Und Absicherung ist für mich kein Grund für eine Heirat.

Eigentlich habe ich es gut getroffen mit meiner Schwiegermutter (oder wie man ihr nun halt sagen will). Sie hütet einmal in der Woche unsere Tochter und hat nach der Geburt der Kleinen vor einem Jahr angeboten, bis ich wieder auf den Beinen bin, uns ein bisschen im Haushalt zu unterstützen. Ich war auch ganz froh darum, meine Mutter lebt nämlich 222 Kilometer weit weg und ich hatte 222 Fragen und Unsicherheiten zu kleinen Babys: Wie viel müssen sie essen, ist der Schluckauf normal und wann um Himmelswillen kann ich mal in Ruhe duschen? Geschichten über stillende Mütter, die etwas zu viel Knoblauch ins Fondue getan hatten, waren – im Nachhinein betrachtet – zwar eher verwirrend als hilfreich. Knoblauch habe ich während der Stillzeit nie gegessen. Und dann auch bald mal aufgehört mit Stillen; ich mag nämlich Knoblauch.

Mittlerweile arbeite ich wieder. Zu 80% übrigens, wie mein Freund auch (wir tragen, wie erwähnt, beide den gleichen Teil zu unserem Unterhalt bei). Und ich bin fit genug, um mich selbst um Haushalt, Einkäufe und Steckdosen zu kümmern. Aber meine … achwiewollenwirsieblossnennen? … sieht das nicht so. Jede Woche, wenn ich von der Arbeit nach Hause komme und sie von ihrem Babysitting-Tag ablöse, ist die Wohnung gesaugt, sind die Böden geschrubbt und die Bäder geputzt.

Und eigentlich möchte ich das nicht. Denn dann kommen diese Versagensängste in mir hoch und ich glaube, nicht zu genügen. Sie könnte ja von mir denken, ich hätte das alles nicht im Griff. Und ehrlich gesagt, verbringe ich meine Freizeit tatsächlich lieber damit, mit meiner Tochter zu spielen, als den Haushalt in Schwung zu halten. Also putze ich panisch jeden Dienstagabend nach der Arbeit die Wohnung, damit am Mittwoch, wenn Grossmami kommt, alles schön sauber ist. Und jeden Dienstagabend haben mein Freund und ich Streit deswegen. Er versteht nicht, weshalb ich mir so einen Stress mache.

Aber nochmals: Ich habe es ja gut getroffen. Die Schwiegermutter meiner Freundin hat beispielsweise bei einem Spontanbesuch mal Früchte mitgebracht: «damit die Buben auch mal ein paar Vitamine bekommen».

Ich weiss, was du denkst: «so red halt mit ihr». Und jeden Mittwochmorgen vor der Arbeit fragt sie mich, was es denn noch so zu tun gäbe, sie könne dies ja machen, währenddessen das Baby schlafe. Und wie jedes Mal, hat sie sich auch diese Woche wieder nicht abwimmeln lassen:

Ach weisst du, ich mache das gerne. Und du kannst in deiner Freizeit mit deiner Tochter spielen und brauchst nicht den Haushalt in Schwung zu halten.

Vielleicht ist mein Stolz hier einfach fehl am Platz.

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