Work-Life-Balance?

Work-Life-Balance
Quelle: Jay Mantri
Liebste Eve

Du kennst mich: Ich stürze mich kopfüber in die Arbeit. Alles oder gar nichts. Das «Dazwischen» gibt es nicht. Ich bezwinge (gerne) Berge von Arbeit und will Sachen zielstrebig zu Ende bringen. Loslassen oder keine Verantwortung übernehmen, das liegt mir einfach nicht. Mein stetiger Hang zu «Get shit done» bringt mit sich, dass ich meine Mailbox vielfach aktualisiere und mein Telefon meist in Griffnähe habe. Eine gute Erreichbarkeit empfinde ich nicht als Last, sondern einfach als technische Möglichkeit von heute.

Neben Dito, unserem professionellen Hobby oder eben Herzensprojekt, gehen wir beide hauptberuflich anderen Jobs nach. Auch da sind wir mit vollem Tatendrang bei der Sache. Mittendrin statt nur dabei.

Work-Life-Balance?

Und weil wir Qualität über Quantität stellen und gerne machen, was wir täglich tun, ist die Grenze zwischen Arbeit und Freizeit fliessend. Erfüllen wir denn omnipräsenten Begriff «Work-Life-Balance» also mit Bravour, weil bei uns alles eben so irgendwie reibungslos ineinander übergeht?

Work-Life-Balance steht für einen Zustand, in dem Arbeits- und Privatleben miteinander in Einklang stehen.

Ist dies für uns überhaupt der richtige Begriff? Müssen die Arbeit und das Leben sich gegenseitig überhaupt ausbalancieren oder sollte nicht vielmehr jeder Teil in sich ausgeglichen sein?

Ausgleich bei der Arbeit

Ich habe mich mit der Frage beschäftigt, was ein Job erfüllen muss, damit ich mich ausgeglichen fühle und nicht automatisch an die verbleibenden Freizeitstunden denke. Im Prinzip ist das einfach: Ich stelle mich gerne Herausforderungen und arbeite mit Menschen zusammen, die mir am Herz liegen und die genauso mit Herzblut ihren Teil der Teamarbeit machen. Personen, die kreativ sind, mich mit Ideen überraschen und sich motivieren lassen. Spitzenzeiten lassen sich in einem starken Team einfacher bewältigen und mit einer Prise Humor übersteht man damit auch die härtesten Zeiten.

Gleichgewicht im Leben

Auf meinem Asientrip habe ich gemerkt, dass Auszeiten den Körper regenerieren und ich zu Kreativität fernab vom Bildschirm und improvisierten Projektleitungen finde. Ich habe meine Leidenschaft für den Moment wiederentdeckt, festgehalten in Bildform oder abgespeichert in meinem Kopf. Nie werde ich diesen einen Moment in Kambodscha vergessen, als ich auf einer simplen Holzkonstruktion über alte Zuggleise gerattert bin und das ultimative Freiheitsgefühl verspürt habe.

Bräuchte ich also anstelle von Work-Life-Balance nicht vielmehr ein Balanced-Mental-Work?

Schliesslich gehen wir keiner körperlich schweren Arbeit nach, sondern benutzen Tag für Tag unseren Kopf, unser Können und unsere Schnelligkeit, um in dieser digitalen Welt erfolgreich zu sein. Der Verstand ist unser grösstes Gut und doch wird dieser täglich mit wichtigen aber vor allem unwichtigen Informationen geflutet.

Eine Denkpause und ein Ausgleich für den Kopf müssen her:

Im Kopf abschalten, heisst für mich das Telefon in die hinterste Ecke pfeffern und sich nicht stressen, wenn ich etwas verpasse. Das Gefühl von «No Fear of Missing Out» zu praktizieren und eben nicht nur zu bejahen. Nicht sofort zu antworten, besser ist es eine Antwort zu überdenken und später gar neu zu schreiben. Auch bei den besten Freunden.

Als Ausgleich zur Kopflastigkeit wähle ich die Kreativität. Bei mir wird sie zwar auf dem Bildschirm vollendet, in Textform oder bei der Bearbeitung von Fotos. Selten entsteht die kreative Idee allerdings im oder am digitalen Medium selbst. Eine analoge oder mechanische Arbeit hilft mir zuerst im Kopf einen Gang runter zuschalten.

Unserer Generation wird vielfach nachgesagt, dass wir weniger Wert auf eine strikte Trennung zwischen Beruf und Freizeit legen und unsere Zeit lieber sinnvoll einsetzen. Selten habe ich das deutlicher gesehen, als beim Umgang mit dem Begriff Work-Life-Balance. In diesem Sinne plädiere ich für einen Ausgleich innerhalb beider Faktoren, sodass sich das Gleichgewicht im grossen Ganzen zwischen Leben und Freizeit ganz automatisch ergibt.

Liebe Grüsse nach Bern,
Fabienne
Written By
More from Fab

Pretty & Pure: Facials

Als ich die Tür hinter mir schliesse und die Sonne mir ins...
Read More

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.