Youth

Quelle: maximumcinema.ch

Ein grosses Dankeschön an den Regisseur Paolo Sorrentino und den Kamera-Verantwortlichen Luca Bigazzi! Ich habe das Gefühl ihr Film «Youth» sei nur für mich erstellt worden. Ich bin entzückt!

Aber fangen wir von vorne an. Hier der Trailer als Einstimmung auf meine Zusammenfassung des Films.

Wenn ich einen Trailer immer und immer wieder schauen kann – vor aber vor allem, nachdem ich den Film gesehen habe – ist das schon ein erstes Gütesiegel. Das Cover von Florence + the Machines «You’ve got the love» und die sexy, laszive Stimme der wunderschönen Rachel Weisz schaden dem pointierten Trailer sicherlich auch nicht.

Story

Der britische Komponist Fred Ballinger (Michael Caine) verbringt mit seinem alten Freund, dem Regisseur Mick Boyle (Harvey Keitel), ein paar Tage in einem Wellness-Hotel in den Schweizer Alpen. Die beiden sinnieren über das Leben während sie das Treiben der illustren Gesellschaft um sich herum beobachten. Während Mick noch voller Tatendrang steckt – er arbeitet gerade am Drehbuch für sein jüngstes Werk – möchte Fred in Frieden seinen Ruhestand geniessen und seine Musikkarriere hinter sich lassen. Doch da gibt es eine eminente Persönlichkeit, die ihn unbedingt nochmals als Dirigent erleben möchte.

Visuelle Bildsprache

Natürlich war und bin ich vor allem aufgrund der einzigartigen Bildsprache, den perfekt inszenierten Choreografien, den Kameraeinstellungen und den wunderschönen Naturschauplätzen völlig aus dem Häuschen. Es gibt keine Szene, in der kein perfekt orchestriertes, visuelles Linien-Feuerwerk zu sehen ist. Es wird gar so strikt durchgezogen, dass teils skurrile Dialogschauspiele entstehen, bei denen die Personenpositionierung wichtiger ist als die Authentizität. Das entspricht genau meinen Vorlieben und so sitze ich gebannt im Kinosessel und freue mich 120 Minuten lang wie ein kleines Kind über jede neue Einstellung.

The Guardian meint:

Paolo Sorrentino’s new movie set in a Swiss sanatorium is a diverting, minor work, tweaked up with funny ideas and images and visually as stylish as ever. There are brilliant flourishes here that could only have come from Sorrentino: superb swooping camera moves, grotesque faces and angular perspectives, and it always watchable.

Ein Handlungsort, das Berghotel Schatzalp in Davos, erinnert mit seiner lieblichen, verschnörkelten Art sogar an einen weiteren Lieblingsfilm von mir: Wes Andersons «Grand Budapest Hotel». In Youth setzt man zwar weniger auf den rosafarbenen Zuckerbäckertraum, dafür umso stärker auf die Kraft der Natur. Die genialen Poolszenen wurden hingegen im Waldhaus Flims Mountain Resort gedreht, und obwohl ich das Resort bereits von Fotos und Berichten her kenne, möchte ich jetzt erst recht einmal dahin.

Grosse Erwartungen

Paolo Sorrentino hat mit seinem «La grande belleza» die Messlatte unglaublich hoch gesetzt. Viele Filmkritiker sind der Meinung «Youth» käme nicht an das preisgekrönte Meisterwerk heran. Wer das Können von Sorrentino und seine Ideen kennt, den überrascht die Bildsprache vielleicht nicht mehr gleich stark. Trotzdem bin ich der Meinung, dass die Schauplätze und die Charaktere dem Film «Youth» zu einer ganz anderen Stimmung verhelfen. Allen voran Michael Caine. Einmal mehr glänzt er mit seiner ganz eigenen Art. Herzerwärmend, nüchtern und mit einem bittersüssen, trockenen Humor spielt er die Rolle des pensionierten Komponisten Fred Ballinger. Auch Harvey Keitel sowie Paul Dano überzeugen in ihrer Rolle als Wegbegleiter und Dialogpartner. Wenn ich eine Kritik am Film habe, dann, dass die Frauen zu stark in die Ecke des Lustobjektes gedrängt werden. Nicht etwa, weil hie und da äusserst ästhetische Frauenkörper inszeniert werden, sondern weil starke Charakterfrauen wie Jane Fonda, Rachel Weisz und auch Paloma Faith ihren Rollen keine Vielschichtigkeit verleihen konnten. Da frage ich mich, ob sie für die Gesamtstory überhaupt notwendig waren …

Youth
Quelle: C-Films.com

Allerdings haben mich die kurzen Dialoge über gute Freundschaften, die verschiedenen Perspektiven des Lebens und die absehbaren sowie auch überraschenden Wendungen am Schluss in den Bann gezogen. Ausserdem habe ich jede Sekunde von Musik und Bild geliebt. Als Nächstes kaufe ich mir das Filmposter und überlege mir tatsächlich, ob ich mir den Film noch ein zweites Mal auf einer Grossleinwand ansehe.

Mit «Youth» hat Sorrentino nun in seiner eigenen charakteristischen Handschrift eine Hommage auf Federico Fellini 8 ½ geschaffen: Ein opulenter, melancholischer, parodistischer und manchmal gar selbstironischer Bilderbogen mit brillanter Starbesetzung!

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